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Was kostet ein Hektar (1 ha) Ackerland?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:35
Der Preis für einen Hektar Ackerland kennt weltweit seit einigen Jahren fast nur noch eine Richtung: Steil nach oben.

Der Preis für einen Hektar Ackerland kennt weltweit seit einigen Jahren fast nur noch eine Richtung: Steil nach oben. Der Trend zum Kauf von Agrarflächen in Ost- oder Westeuropa, Afrika, Asien, Nord- und Lateinamerika scheint aus gleich mehreren Gründen ungebrochen und anhaltend. So investieren zahlreiche internationale Holdings und Konzerne nach diversen Krisen am Finanzmarkt bevorzugt in eher reale und sichere Werte, auch private Anleger entdecken die heimische wie die fremde Scholle als stabile Geldanlage wieder von Neuem für sich. Zusätzlich treiben die Flächenprämien der EU, die global steigenden Getreidepreise sowie der subventionierte Anbau von Energiepflanzen für Biogas und Biotreibstoffe den Preis für Anbaugebiete weiter in die Höhe.

Preisentwicklungen in Deutschland

  • Baden-Württemberg: (2002) 18808 Euro/ha; (2012) 20136 Euro/ha
  • Bayern: (2002) 24941 Euro/ha; (2012) 31841 Euro/ha
  • Brandenburg: (2002) 2854 Euro/ha; 2012: 7262 Euro/ha
  • Hessen: (2002) 12545 Euro/ha, 2012: 12530 Euro/ha
  • Mecklenburg-Vorpommern: (2002) 4264 Euro/ha; (2012) 12.675 Euro/ha
  • Niedersachsen: (2002) 14305 Euro/ha, (2012) 21146 Euro/ha
  • Nordrhein-Westfalen: (2002) 26524 Euro/ha; (2012) 32427 Euro/ha
  • Rheinland-Pfalz: (2002) 10.516 Euro/ha; (2012) 11.141 Euro/ha
  • Saarland: (2002) 8779 Euro/ha; (2012) 9129 Euro/ha
  • Sachsen: (2002) 3704 Euro/ha; (2012) 8163 Euro/ha
  • Sachsen-Anhalt: (2002) 4.339 Euro/ha; (2012) 10.965 Euro/ha
  • Thüringen: (2002) 4733 Euro/ha; (2012) 6870 Euro/ha

Von der LPG zum „Land Grabbing“ und vom Bauernhof zur Agrarfabrik

  • Besonders in Osteuropa und in Ostdeutschland ist diese Entwicklung inzwischen sehr deutlich. Dort begünstigten vor allem die teils politisch chaotischen 1990er Jahre wie auch die regional sehr ausgedehnten landwirtschaftlichen Nutzflächen die sich mittlerweile immer mehr verstärkende Landkonzentration. 
  • Durch den wirtschaftlichen Aufschwung und die steigende Nachfrage in den Schwellenländern benötigen diese inzwischen zunehmend ausländisches Ackerland für ihre Bedürfnisse. Dementsprechend lässt etwa China in Bulgarien im großen Stil Mais anbauen und durch Erdöl reich gewordene arabische Unternehmen nutzen große Flächen Rumäniens für die Kultivierung von Getreide. Doch „Land Grabbing“ (Landnahme) durch Großbetriebe ist auch in Deutschland ein immer häufiger kontrovers diskutiertes Thema.
  • 10-20%ige Wertsteigerungen des Agrarlandes von Jahr zu Jahr sind in den alten wie neuen Bundesländern heute fast schon die Regel. Einen solch hohen Preis für den Hektar Ackerland können sich jedoch Kleinbauern meist nicht mehr leisten.

Großes Gefälle und starke regionale Unterschiede im Preis für den Hektar Ackerland

  • Betrachtet man die teils sehr ausgeprägten Preissteigerungen für Ackerland pro Hektar nach den einzelnen Bundesländern über einen Zeitraum von zehn Jahren, fällt vor allem der hohe Anstieg im Osten des Landes auf. Im Westen gilt dies mit Ausnahme Hessens in geringerem Maße ebenso, allerdings war dort der Preis pro Hektar Ackerland bereits sehr viel früher auf einem sehr viel höheren Niveau.

Europas Erträge wecken weltweites Interesse

  • Auch im restlichen Europa kam es in dieser Zeitspanne zu einem prozentual hohen Anstieg des Preises pro Hektar Ackerland. Spitzenreiter waren hier die Niederlande mit einem Anstieg von 1277 Euro auf durchschnittlich 48328 Euro je Hektar alleine von 2009 bis 2011. 
  • In Großbritannien betrug der Durchschnittswert im Jahr 2011 gut 13870 Pfund/ha (15980 Euro), in Italien stiegen die Preise von 2006 bis 2011 um 3500 Euro auf 19400 Euro/ha. 
  • Noch relativ günstig gibt es als landwirtschaftliche Flächen geeigneten Grund und Boden dahin gegen in Spanien mit 11070 Euro/ha (2011), in Schweden mit 5000 Euro/ha sowie in Polen mit 4870 Euro/ha. 
  • Dort und auch in der Slowakei (1600 Euro/ha) sowie in Tschechien (2373 Euro/ha) werden jedoch vergleichbar mit den östlichen deutschen Bundesländern angesichts der globalen Nachfrage in Zukunft ebenfalls noch starke Preissteigerungen erwartet.

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