Foto: Shutterstock.com

Wie befreit man sich von Schulden?

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 13:48
„Jetzt konsumieren – später zahlen“. Eine Anleitung aus der Schuldenfalle.

„Jetzt konsumieren – später zahlen“ - Werbeslogans dieser Art laden bereits Jugendliche dazu ein, Schulden zu machen und stellen die Anhäufung von Schulden, durch einen teuren im Überfluss befindlichen Lebensstil, nahezu als Kavaliersdelikt dar.

Weitere Faktoren, welche zur Zunahme der Schuldner führen, können auch viel zu zeitige und hohe Überziehungsrahmen bei Banken bereits im Teenager-Alter, leichtfertige Kreditvergabe von Kreditinstituten und Banken - auch an kreditunwürdige Personen, über Leasingraten mögliche Anschaffungen (luxuriöser) Neuwagen, u.v.m., sein. 
Des Weiteren hat auch die im Juni 2008 begonnene Welt-Wirtschaftskrise, aus Kündigungswellen und Konkursverfahren resultierend, ihren Tribut unter Schuldnern gefordert. 

Befindet man sich aktuell in einem Schuldenfiasko, so ist es dennoch möglich, Hilfe zu organisieren und sich Schritt für Schritt aus der Schuldenkrise zu befreien.

  • Viele Schuldner sind sich ihres gesamten Schuldenbetrages gar nicht bewusst. Verschleierungstaktiken, zum Teil um das Problem vor sich selbst zu beschwichtigen, werden angewandt. Primär muss eine Bewusstseinsschaffung über den Gesamtbetrag des „Schuldenberges“ geschaffen werden. 
  • Ähnlich verhält es sich mit der Gesamt-Summe der Lebenserhaltungskosten: hierbei neigen Schuldner dazu, gewisse unumgängliche Kosten zu negieren. 
  • Auch auf der Ausgaben-Seite ist eine „Awareness“ gegenüber den realen Kosten der erste Weg, um künftig ein Missverhältnis zwischen Kosten/Ausgaben und Einnahmen zu vermeiden.

  • Aufstellung aller bei Kreditinstituten und Banken verschuldeter Beträge
  • Aufstellung aller bei Familienmitgliedern, Freunden, Bekannten und Arbeitskollegen geliehener Beträge
  • Aktuelle Kontoauszüge (aller Konten)
  • Liste aller ausständigen Rechnungen von Kreditkartenabrechungen sowie Online- oder Telefon-Bestellungen
  • Liste von geforderten Rückforderungen (z.B. zurückgeforderte Förderungen, nachträglich zu zahlende Steuern)
  • Summe der gesamten Lebenserhaltungskosten
  • Kontaktdaten des Bankberaters
  • Kontaktdaten einer in der Nähe befindlichen Schuldnerberatung

  1. Als erster Schritt muss – so unangenehm es für den Schuldner auch sein mag – ein Bild vom realen Ausmaß des Desasters gemacht werden. Das bedeutet, dass alle aktuellen Schulden (siehe obige Liste), ausständigen Zahlungen und Kontorahmenüberzüge addiert werden müssen. Der am Ende entstehende Betrag ist voraussichtlich höher, als es dem Schuldner primär bewusst war. 
  2. In weitere Folge muss ein Finanzplan über Einnahmen und Ausgaben erstellt werden. Hierfür müssen alle zu tätigenden Zahlungen, seien sie auch noch so klein, abgebildet werden. Quartalsweise oder jährlich zu tätigende Zahlungen werden durch die Monatsanzahl dividiert und auf diesem Wege auf ein Monat heruntergebrochen. 
  3. Einnahmen und Ausgaben müssen im Rahmen der Finanzplanerstellung subtrahiert werden. Dieser Differenzbetrag gibt nun gemeinsam mit dem realen Schuldenbetrag Auskunft über den wahren Grad der Verschuldung und die Prognose der Schuldentilgung. 
  4. Von diesem Differenzbetrag müssen im nächsten Schritt noch die monatlichen Lebenserhaltungskosten abgezogen werden. Pro Woche muss hier mit rund 150 € kalkuliert werden. Dies hängt von der Lebensweise des jeweiligen Erwachsenen ab: Besteht ein Auto, das vollgetankt werden muss? Wird geraucht? Wenn ja wie viel? Welchen Hobbys geht der Schuldner nach?
  5. Jetzt ist es an der Reihe, unnötige Ausgaben unverzüglich zu verbannen: beispielsweise Fitnesscenter-, Solarium-, Kino-Abonnement haben ab nun ausgedient, Online-Bestellungen der zwanzigsten Bluse und dreißigsten Hose sind ab jetzt absolut verpönt, luxuriöse Lebensmittel werden durch „Billig-Marken“ (welche im Übrigen nicht selten die nahezu gleiche Qualität aufweisen!) ersetzt, usw. 
  6. Ergänzend sollte Kontakt mit einer Schuldnerberatung aufgenommen werden. In jeder Großstadt im deutschen und österreichischen Raum kann man sich dieser Einrichtungen mit qualifiziertem Personal bedienen. 
  7. Eine Schuldnerberatung dient dazu, um in vertraulicher Atmosphäre bei der Erstellung diverser Aufstellungen und Berechnungen zu unterstützen, weiterführende Möglichkeiten des jeweiligen Schuldners zu erörtern (z.B. in Österreich der „Privatkonkurs“), die Sinnhaftigkeit von Umschuldungen zu besprechen und etwaige Stolpersteine im Schuldenabbau zu analysieren. 
  8. Grundsätzlich muss gesagt werden, dass Rückzahlungen bei Banken und Kreditinstituten zumeist weitaus teurer sind, als Schulden anderer Art. Wenn die Möglichkeit besteht, den Schuldenbetrag von Bank/Kreditinstitut in eine günstigere Schulden-Form zu verlagern (z.B. Familie), sollte dies genutzt werden. 
  9. Demgegenüber verlieren Schuldner, welche kleine Schuldenbeträge bei unterschiedlichen Stellen (z.B. mehrere Familienangehörige) zu verzeichnen haben, leichter den Überblick. Der Schuldner muss von nun monatlich eine Art „Schulden-Check-up“ durchführen, um sich die aktuellsten Beträge fortwährend in Erinnerung zu rufen. 
  10. Wenn feststeht, dass gewisse Bankzahlungen nicht in vereinbarter und vertraglich festgehaltener Form getätigt werden können, sollte schleunigst ein persönliches Gespräch mit dem jeweiligen Bankberater erfolgen, da etwaige Mahnspesen die teuerste Schulden-Form darstellen. In einem solchen Gespräch können möglichenfalls günstigere Kredite und Überziehungskonditionen ausverhandelt und neue Rückzahlungshöhen festgehalten werden. 
  11. Prinzipiell ist anzufügen, dass es auch im Interesse der Bank liegt, wenn der Schuldner weiterhin liquide und zahlungsfähig bleibt. Für ein solches Gespräch sollte man einen seriösen und gepflegten Auftritt beherzigen, um einen vertrauenswürdigen und lösungsorientierten Eindruck zu vermitteln. 
  12. Ab dann kann ein individueller Rückzahlungsplan, wenn nötig mithilfe der Schuldnerberatung und des Bankberaters, aufgestellt werden. Sollte das Einkommen nicht ausreichen, um die angehäuften Schulden auch wahrhaft zu tilgen, muss Ausschau nach einem zusätzlichen Nebenjob (z.B. abends im Theater) gehalten werden. 
  13. Wenn die bestehenden Schulden(-Berge) aus pathologisch-zwanghaften Angewohnheiten wie Spielsucht, Sammelsucht oder Kaufsucht heraus entstanden sind, muss dem Problem auf ganzheitliche Art und Weise der Kampf angesagt werden. Eine Schuldnerberatung reicht zumeist in diesen Fällen nicht aus - es muss auch psychologische und psychotherapeutische sowie medizinische Hilfe in die Rehabilitierung mit einfließen.

Kommentare