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Wie bewerten Ratingagenturen?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:49
Seit längerem sind besagte Ratingagenturen von vielen Experten in die Kritik geraten.

Ratingagenturen sind derzeit in aller Munde. Weltbekannte Agenturen wie Standard & Poor's, Moody's und Fitch Ratings sind in letzter Zeit oftmals in den Medien. Vorallem die Herabstuffung der USA im Ausgust 2011 von einem AAA-Rating auf AA+ sorgte in der Finanzwelt für Furore. Seit längerem sind besagte Ratingagenturen von vielen Experten in die Kritik geraten, auf Grund von interessenkonflikten und fragwürdigen Ratings in den Finanzmärkten.

Fast jede Ratingagentur besitzt ein eigenes Modell der Bewertung. Kleine, weniger gut verdienende Agenturen sind oft objektiver, denn wenn eine Agentur zu lax bewertet, verschwindet sie vom Markt. Ratingagenturen werden für Unternehmen wie Banken, Versicherungen aber auch für Staaten tätig, so haben sie einen erheblichen Einfluss an den Finanzmärkten gewonnen. Sie prüfen das jeweilige Unternehmen und bewerten es mit einem Code, der als Bonitätszeugnis gilt und erhebliche positive aber auch negative Auswirkungen haben kann.

Bitte beachten

  • Eine gute Bewertung durch die Ratingagentur kann sich sehr vorteilhaft auswirken. Es werden Finanzierungsmöglichkeiten mit besseren Zinssätzen geboten, ein leichterer Zugang zum Kapitalmarkt wird möglich, die Chancen bei den Investoren sind größer, das Image steigt erheblich und damit der positive Marketing-Effekt. Bei einer schlechten Bewertung verkehrt sich dies ins negative Gegenteil.
  • Gerade in der jetzigen Finanzkrise sind die Ratingagenturen in Kritik geraten, weil der Markt erheblichen Schwankungen ausgesetzt ist, die Agenturen können nicht schnell genug reagieren und ihre Bewertungen werden unzureichend und verzerrt, was die erheblichen oben erwähnten negativen Wirkungen auf die Unternehmen nach sich zieht. 
  • Eine andere Gefahr besteht darin, dass z. B. Liquiditätskrisen nicht ausreichend einbezogen werden, es entsteht ein zu positives Bild, was das Unternehmen in erhebliche Schwierigkeiten bringen kann. Wenn die Unternehmen die Ratingagenturen nicht selbst bezahlen müssten, sondern z. B. die Investoren, könnte auch nicht die Gefahr eines Interessenkonfliktes entstehen. Wenn die Ratingagentur auch noch Beratungen anbietet, wie die Einstufung verbessert werden kann, dann wird das Ganze mehr als fragwürdig.

Dinge die benötigt werden

Für ein unabhängiges Rating braucht die Agentur Fakten, die in mühsamer Kleinarbeit zusammengesucht und analysiert werden müssen, und dann zu einer Einstufung führen.

  • Die derzeitige Grundsituation muss definiert werden,
  • die Branche, die Art des Unternehmens muss zugeordnet werden,
  • die Entwicklung über die Jahre muss einbezogen werden,
  • die Qualität und das Unternehmenskonzept muss dargestellt werden,
  • die Bonitätsbewertung individuell für das jeweilige Unternehmen muss erstellt werden.

Das Prozedere eines gelungenen Ratings könnte wie folgt aussehen:

  1. Anhand einer Checkliste Fragen über das Unternehmen stellen, es wird eine Ausgangssituation geschaffen.
  2. Es folgt die akribische Prüfung des Unternehmens, durch Marktanalysen wird das Potenzial ermittelt, die Wettbewerbsposition und die Ertragskraft werden dargestellt. Alle Bereiche müssen klassifiziert und zugeordnet werden.
  3. Die Bilanzen der letzten Jahre müssen ausgewertet werden, sodass ein korrekter Finanzstatus ermittelt werden kann.
  4. Eine Risikoanalyse muss erstellt werden.
  5. Auch die Dauer von Geschäftsbeziehungen und der Wille zur Transparenz gehen in die Bewertung ein.
  6. Die Arbeit einer Ratingagentur ist nicht nur für Unternehmen oder Banken interessant, das Verfahren kann man bei allen Vorgängen anwenden, bei denen aus einer Ausgangssituation über genaue Untersuchungen der Weg zu Änderungen und Verbesserungen gefunden wird.

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