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Wie stellt man einen Konkursantrag?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:42
Drohende Zahlungsfähigkeit, Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung - Gründe für einen Konkursantrag.

Bis zum Jahre 1999 wurde der Konkurs von juristischen Personen durch die Konkursordnung geregelt, die aktuell gültigen Regelungen sind heute in der deutschen Insolvenzordnung (InsO) niedergelegt. Die dem früheren Konkursantrag entsprechende Maßnahme trägt heute die Bezeichnung Insolvenzantrag, in der Umgangssprache hat sich allerdings der Begriff Konkursantrag bis heute gehalten.

Wann ist ein Konkursantrag notwendig?


Damit ein Konkursantrag gestellt und ein Konkursverfahren eröffnet werden kann, muss mindestens einer der drei in der Insolvenzordnung festgelegten Eröffnungsgründe für ein Insolvenzverfahren vorliegen: Drohende Zahlungsfähigkeit, Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung.
Zahlungsunfähigkeit ist nach geltender Rechtsprechung wer nicht binnen drei Wochen eine Liquiditätslücke von mindestens 10 Prozent seiner fälligen Gesamtverbindlichkeiten beseitigen kann.
Einen Insolvenzantrag wegen drohender Zahlungsfähigkeit kann und muss nur der Schuldner selbst stellen, wenn eine in näherer Zukunft eintretende Zahlungsfähigkeit abzusehen ist.
Überschuldung ist nur bei juristischen Personen, nicht aber bei natürlichen Personen, ein Eröffnungsgrund für ein
Insolvenzverfahren.

Bitte beachten

  • Ist einer juristischen Person einer oder mehrerer dieser Eröffnungsgründe bekannt und sie handelt nicht entsprechend, so wird von einer Insolvenzverschleppung gesprochen. Tritt sie bei juristischen Personen auf, so wird das Unterlassen der rechtzeitigen Stellung eines Konkursantrages als Straftat gewertet.
  • Der vom zuständigen Insolvenzgericht benannte Insolvenzverwalter unterzieht die Geschäftsunterlagen und buchhalterischen Unterlagen des betroffenen Unternehmens einer gewissenhaften Prüfung und findet bei dieser Gelegenheit unter Umständen Hinweise auf Untreue, Unterschlagung oder sogar Betrug. 
  • Auch Privatentnahmen kurz vor oder nach der Insolvenz, die durch den oder die Geschäftsführer getätigt wurden, bleiben so nicht verborgen.

Wie stelle ich einen Konkursantrag bei Zahlungsunfähigkeit?

  1. Der Insolvenzantrag kann nur beim örtlich zuständigen Insolvenzgericht gestellt werden. Die IHK informiert auf ihren Internet-Portalen im Detail über die Amtsgerichte, die für Insolvenzanträge zuständig sind.
  2. Ein Insolvenzverfahren wird ausschließlich auf Antrag eröffnet, der Konkursantrag kann dabei sowohl vom Schuldner selbst als auch von den Gläubigern gestellt werden.
  3. Um als Gläubiger einen Konkursantrag zu stellen, muss eine relevante Forderung gegenüber dem Schuldner 
  4. vorgewiesen werden. Ausreichend dafür ist ein Nachweis über eine erfolglose Vollstreckung einer Forderung durch einen Gerichtsvollzieher oder eine vorliegende eidesstattliche Versicherung. Die Verwaltungskosten für die Antragsstellung betragen circa 40 €.
  5. Um selbst als Schuldner den Konkursantrag zu stellen, muss ein Vermögensverzeichnis mit vollständiger Aufstellung aller Aktiva und Passiva vorgelegt werden können. Jede Forderung oder Verbindlichkeit muss in diesem Verzeichnis im Detail dokumentiert sein, um dem Insolvenzgericht ausreichend Informationen für eine sorgfältige und zügige Analyse der Lage des oder der Betroffenen zu geben.
  6. Das eigentliche Konkursverfahren wird nur eröffnet, wenn das Vermögen des Schuldners ausreicht, um überhaupt die Kosten des anlaufenden Insolvenzverfahrens zu tragen. Diese liegen in der Regel bei einer Summe in Höhe von circa 4000-5000 €. Wenn zum Zeitpunkt der Insolvenz nicht genügend Vermögen beim Schuldner vorhanden ist um diesen Verfahrensvorschuss zu begleichen, kann einer der Gläubiger einspringen und den Betrag begleichen, wenn er sich im späteren Konkursverfahren weitere Erlöse aus der Konkursmasse des Schuldners verspricht. Wenn keine der beiden Seiten die Kosten aufbringen kann oder will, so wird das Verfahren eingestellt.

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