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Letztes Update am 22.10.2014, 14:08

Um gleich zu Beginn Missverständnissen entgegen zu wirken: Nein, Grünpflanzen alleine machen aus einem Büro noch lange kein „Green Office“. Dazu gehört wesentlich mehr. Von der Planung, respektive dem Bau des Bürogebäudes, über Abläufe in der täglichen Büroarbeit, bis hin zur Ausstattung der Kaffeeküche – in allen Bereichen muss Umweltbewusstsein als Grundbedingung geplant und schließlich gelebt werden.

  • Für die Herstellung von 800.000 Tonnen Papier werden 2.600 Tonnen Holz benötigt. „Zwischen 225 und 250 Kilogramm Papier verbrauchen die Österreich pro Kopf im Jahr. 
  • Sich zu überlegen, ob man ein Email unbedingt ausdrucken muss, ist schon ein erster Schritt zum „grünen“ Büro. Ein weiterer Schritt ist der Einsatz von ressourcenschonender IT. Rund drei Prozent des gesamten Stromverbrauchs eines Büros entfallen allein auf die Geräte wie Computer oder Drucker“, weiß Claudia Pichler von BAR – Büro Wien
  • Apropos: bei unserem nördlichen Nachbarland, in Deutschland, werden 55 Millionen Tonerpatronen und acht Millionen Kartuschen pro Jahr einfach so weggeworfen, wie der bundesdeutschen Arbeitskreis für umweltbewusstes Management vorrechnet. 
  • Dabei könnten die Behältnisse ohne großen Aufwand wieder befüllt werden. Für Österreich gehen die Experten von rund 7,5 Millionen weggeworfenen Druckerpatronen pro Jahr aus.

Was sind Grüne Geräte?

  1. Bei sogenannten „Grünen Geräten“ wird der gesamte Produkt-Lebenszyklus, vom Design bis zur Entsorgung, in die Betrachtung mit einbezogen. Mehrere Hersteller, wie etwa Ricoh, setzen bereits auf diese Entwicklung und daher auf nachhaltige Produkte.
  2. Ein Hersteller von digitalen Bürokommunikationssystemen hat sich beispielsweise zum Ziel gesetzt, bis 2020 mindestens 20 Prozent und bis zum Jahr 2050 gar 87,5 Prozent aller verwendeten Materialien wiederzuverwenden. Auch das ist ein Weg zum „grünen“ Office.
  3. Auch einer der weltweit führenden Anbieter von wirtschaftlichen Outputlösungen (sprich Druckern), sowie digitalen Kopier- und Multifunktionssysteme, Kyocera Mita, hat sich dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben. In der 2011 verfassten Studie „Bürowelten der Zukunft“ weisen die Verantwortlichen des Unternehmens darauf hin, dass zwei Drittel der befragten Anwender und sogar drei Viertel der Experten den „Carbon Footprint“ für eine relevante Unternehmenskennzahl der Zukunft halten. Der „CO2-Fußabdruck“ beschreibt, einfach gesagt, die Menge an Kohlenstoffdioxid in Tonnen, die eine Aktivität oder Organisation verursacht. Außerdem stimmten 44 Prozent der Experten der These zu, dass Papier als Medium erhalten bleiben wird. Auf der anderen Seite glaubt ein ebenso großer Anteil, dass in 25 Jahren auch ein papierloses Büro existieren könne.
  4. Die perfekte Variante eines „green office“ liegt in einem „green building. Laut dem britischen Berufsverbandes von Immobilienfachleuten und -sachverständigen RICS versteht man darunter ein Gebäude, „das bezüglich seiner Ausgestaltung, Errichtung und Nutzung negative Einflüsse auf das ökologische sowie soziale Umfeld und die Umwelt während des gesamte Lebenszyklus der Immobilie minimiert, eine gesundheitsfördernde Umgebung bietet sowie die Nutzung für Eigentümer, Nutzer und die Öffentlichkeit optimiert und dabei die Nutzung natürlicher Ressourcen minimiert beziehungsweise eine ressourcenschonende Gebäudebewirtschaftung gewährleistet.“
  5. „Green buildings“ gibt es inzwischen auch in Österreich. Mit dem Bürohaus „QUADRA“ beispielsweise hat die Rhomberg Gruppe in Dornbirn ein von der Österreichischen Gesellschaft für nachhaltige Immobilienwirtschaft mit dem „Zertifikat in Gold“ ausgezeichnetes Gebäude errichtet. Der fünfgeschossige Bau entspricht damit neuesten energetischen, aber auch sozialen und ökonomischen Standards.
  6. Auch das Niederösterreich Haus in Krems (NHK) ist ein so genanntes „green building“. Weil Ökozement verwendet wurde, konnte bereits in der Bauphase mehr als 1.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Im Betrieb wird der CO2 –Ausstoß durch den ausgezeichneten Dämmstandard jährlich um 100 Tonnen reduziert. Das NHK bietet allerdings nicht nur in Bauweise und Haustechnik nachhaltige Lösungen an, sondern ist auch mit allen Verkehrsmitteln gut erreichbar. Als es 2011 fertig gestellt wurde, zogen die Nutzer in Österreichs größtes Büro-Passivhaus ein.
     

Was sind die Hürden bei der Einführung von „Green offices“?

  1.  Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation hat 2010 eine so genannte „Green Office“-Studie herausgegeben hat. Im Rahmen der Studie wurde unter anderem nach den möglichen Hemmnissen gefragt, die der Gestaltung von ökologisch nachhaltigen Büroumgebungen in Unternehmen im Wege stehen. Am häufigsten genannt wurden dabei die Unsicherheit über den Investitionsaufwand und das mangelnde Know-how in der Entwicklung entsprechender Konzepte.
  2. Eines dieser Konzepte ist „Green Interior“. Darunter versteht man umweltgerechte Innenausstattung und Möblierung von Büroräumen. Sie umfasst Maßnahmen wie energiegerechte Beleuchtungssysteme, nachhaltig hergestellte Möbel und wassersparende Technik im Sanitärbereich. Auch Abfalltrennung und Recycling, umweltschonende Reinigungstechnik und nachhaltige Beschaffungsrichtlinien für Büromaterial und -möbel sind dabei ein Thema.
  3. In Österreich versucht unter anderem die „Steiermark Convention“, die Servicestelle des Landes für Tagungsorganisation, das Bewusstsein für „grüne Büros“ zu stärken. Im Mittelpunkt steht das umweltbewusste Nutzerverhalten. Denn auch Car-Sharing, Fair Trade-Getränke in der Kaffeeküche sowie regionale und saisonale Speisen in der Mitarbeiterkantine tragen zur Nachhaltigkeit eines Unternehmens bei. 

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