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Wie reagiert man auf heikle Fragen in einem Bewerbungsgespräch?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:48
Das Interview bei einem Bewerbungsgespräch ist das Um und Auf für den Personalsuchenden.

Das Führen eines Interviews in einem Bewerbungsgespräch ist das Um und Auf für den Personalsuchenden, um mehr über den Bewerber zu erfahren. Das Interview kann strukturiert, halbstrukturiert und offen geführt werden. Es kann in Form eines One-to-One (Zweier-Gespräch), im Rahmen eines Hearings oder als Assessmentcenter erfolgen. 

Was möchte der Personalist mit den Fragen überprüfen: primär möchte der Personalsuchende die Stimmigkeit zwischen den schriftlich übersandten Unterlagen und dem Erzählten abfragen. Auch soll damit geprüft werden, ob der Bewerber seine beruflichen Meilensteine im Kopf hat – diese nicht auswendig zu kennen, macht kein gutes Bild und lässt Zweifel an der Ehrlichkeit der schriftlichen Unterlagen aufkommen. 
Des Weiteren soll mithilfe eines Interviews, der Redegewandtheit, Ausdrucksform und Persönlichkeit des Bewerbers auf den Grund gegangen werden. 

Auch wenn Bewerbungsinterviews eine absolute Legitimation besitzen, können darin zahlreiche schaurige Situationen auftreten. Damit Personalsuchende überprüfen können, wie ihre Bewerber auf Stress reagieren, wird des Öfteren zu „gemeinen Waffen“ in der Fragetechnik gegriffen. 

Einige davon seien nachstehend erläutert, um vielleicht dem einen oder anderen Bewerber eine gute Vorbereitung zu ermöglichen.

  • Die Frage nach der Familienplanung ist dem Arbeitgeber in spe gesetzlich nicht erlaubt. Der Bewerber muss diese Frage daher nicht mit der Wahrheit beantworten. 
  • Auch auf Fragen, welche laut Datenschutzgesetz zu den „sensiblen Daten“ zählen und daher besonderer Schutzwürdigkeit unterliegen, wie „rassische und ethnische Herkunft, politische Meinung, Gewerkschaftszugehörigkeit, religiöse und philosophische Überzeugung, Gesundheit und Sexualleben“ (DSG 2000) – muss keinesfalls geantwortet werden. 
  • Neben Fragen, die nicht beantwortet werden müssen, existieren leider noch Unmengen an „gemeinen Bewerbungsfragen“, auf die es ohne Vorbereitung kaum möglich ist, eine gute und dynamische Antwort parat zu haben. 
  • Selbst wenn man unglaublich kreativ ist, wird man sich in einem „gemeinen Bewerbungsinterview“ früher oder später in einen Strudel reden – was vom Personalsuchenden oft erwünscht ist, um den Bewerber aus der Reserve zu locken und in Stress zu versetzen. 
  • Je gemeiner eine Interviewsituation ist, umso eher sollte man sich auch überlegen, ob man in einem Unternehmen mit dieser Philosophie überhaupt arbeiten möchte und in weiterer Folge glücklich wird.

  • Kreativität
  • Einfühlungsvermögen, um einschätzen zu können, was die richtigen Antworten sind, um den Job zu bekommen
  • Vorbereitung auf mögliche unangenehme Bewerbungsfragen

Eine klassische unangenehme Einstiegsfrage ist: „Nennen Sie mir Ihre Stärken und Ihre Schwächen?“ (oftmals werden jeweils drei abgefragt).
Bei der dazugehörigen Antwort ist Authentizität gefordert, aber auch Taktik und Kalkül. Ausgewählte Stärken dürfen keineswegs zu hochtrabend und unrealistisch, die genannten Schwächen nicht allzu schlimm sein. Für jedes genannte Attribut, sollte man sich Beispiele überlegen, um dies glaubhaft zu untermauern.

Weitere unangenehme und „gemeine“ Bewerbungsfragen sind:

"Welche Konflikte hatten Sie in Ihrem letzten Team und wie gingen Sie darin vor?" 

  • Hier muss ein diplomatisches Beispiel, welches den Bewerber vorteilhaft hervorhebt, mit positivem Ende des Szenarios, gewählt werden. 


"Was würde Ihr heutiger Chef an Ihnen kritisieren?" 

  • Als Beispiel, was der Chef kritisieren würde, muss eine Eigenschaft oder Situation gewählt werden, die harmlos (und evt. fast schon ein bisschen „schrullig“) wirkt. 
  • Einen schlimmen Fehler darzulegen, ist hier fehl am Platze und kann zu einer Absage für den Job führen. 


"Aus welchen Gründen wollen Sie Ihre derzeitige Firma verlassen?"

  • Selbstverständlich nur weil die Perspektiven fehlen... sonst ist ALLES in bester Ordnung.


"Nennen Sie mir die Schwächen (Eigenschaften), Ihres schlechtesten Vorgesetzen?"

  • Sofern man schlechte Eigenschaften des schlechtesten Vorgesetzten nennt, wirkt es positiv, wenn man im selben Atemzug sein Verständnis für jene Eigenschaften „aus diesem und jenem Grund“ äußert. 


"Was war der größte Fehler, den Sie im Berfsleben zu verzeichnen haben?"
 

  • Nach der Nennung eines (nicht allzu schwerwiegenden) Fehlers, sollte in weiterer Folge geschildert werden, was man daraus lernen konnte und auf welchem Wege solche Missgeschicke künftig wirksam vermieden werden können.


Welche Tätigkeiten in Ihrem Arbeitsplatz mögen Sie nicht? 

  • Als Antwort, muss darauf geachtet werden, dass keine Kerntätigkeiten des aktuellen Arbeitsplatzes genannt werden. 
  • Eventuell kann man sich eines Beispieles bedienen, das keiner mag, wie z.B. „Papierablage“. 


"Nennen Sie mir drei Gründe warum wir Sie nicht nehmen sollten?"

  • Selbstverständlich gibt es keine. Eine geschickte Kehrtwende - in die Richtung „warum man genommen werden sollte“ muss durchgeführt werden. 


"Wenn Sie Ihr bisheriges Leben ändern könnten, was würden Sie anders machen?" 

  • Auch in jenem Beispiel darf nur mit harmlosen Änderungswünschen geantwortet werden (z.B. „...früher mit dem Studium begonnen“, „eher in die berufliche Richtung dieses Jobs entwickelt“)


"Welche Probleme, die zuvor keiner bemerkt hatte, konnten Sie an Ihrem jetzigen Arbeitsplatz ausmachen?" 

  • Es sollte die Nennung eines nicht unbedeutsamen Fehlers erfolgen, der aber keinen negativen Rückschluss auf das Unternehmen preisgibt oder gar Firmengeheimnisse nach außen trägt. 


"Welcher Manager/welche Person ist für Sie ein Vorbild und warum?"

  • Die genannte Person sollte politisch gesehen und von ihrer Philosophie her zum Unternehmen passen. 


"Nennen Sie fünf Begriffe und Eigenschaften, die Ihren Charakter treffend beschreiben und untermauern sie dies mit Beipielen?"

  • Diese Frage vorbereitet zu haben, tut in jedem Fall gut. 


Weitere unangenehme Fragen, zu denen man sich gut vorbereiten sollte:

  • Was tun Sie wenn Sie ein “Nein” als Antwort erhalten?
  • Erzählen Sie mir etwas über sich, das ich Ihrer Meinung nach unbedingt wissen sollte.
  • Welche drei positiven Charaktereigenschaften, die Ihnen fehlen, hätten Sie gerne? 
  • Wenn ich Ihren letzten oder aktuellen Vorgesetzten fragen würde, welche Weiterbildung für Sie noch notwendig wäre – was würde er antworten?
  • Erläutern Sie, wie Sie einen Kollegen kritisieren mussten. Wie und auf welchem Wege haben Sie das gemacht?


Die Liste der „unangenehmen Bewerbungsfragen“ ließe sich ins Unendliche weiterführen. 

  1. Grundsätzlich muss zu unangenehmen Interviewfragen gesagt werden, dass es niemals verheißungsvoll wirkt, wenn man über den letzten/aktuellen Chef, über das letzte/aktuelle Team oder über das letzte/aktuelle Unternehmen in schlimmen Tönen „ausschmeißt“. 
  2. Auf Fragestellungen dieser Art, muss mit sehr viel Fingerspitzengefühl geantwortet werden, da auch Loyalität gestestet wird - Negatives ist daher lediglich subtil und diplomatisch anzudeuten. 
  3. Des Weiteren sollte man sich selbst, so gut als möglich positiv darstellen, ohne dabei blasiert, unrealistisch oder eingebildet zu wirken. 
  4. Am Ende einer negativen Beantwortung sollte immer etwas Positives stehen bleiben, da dieser Satz den weiteren Gesprächsverlauf entscheidend beeinflusst.

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