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Wie sinnvoll sind Umschulungsmaßnahmen für den Arbeitsmarkt wirklich?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:33
Das AMS biete in Österreich Service-Leistung betreffend dem Arbeitsmarkt an.

Die Arbeitslosenzahlen sind in vielen Ländern ein echtes Problem. In Deutschland ist die Arbeitslosenrate in den letzten Jahren kontinuierlich von 7 auf 5 Prozent gesunken. Auch in Österreich, wo das Arbeitsmarktservice (AMS) den Arbeitsmarkt verwaltet, sorgt dieses Thema immer wieder für Gesprächsstoff. Derzeit liegt die Arbeitslosigkeit in Österreich relativ konstant bei etwa 4-5 Prozent. Obwohl die Zahlen im EU-Vergleich sehr niedrig sind, ist die Problematik auch in Deutschland und Österreich natürlich gegeben. Arbeitslose, die auf der Such nach einem neuen Job sind, berichten immer wieder von mehr oder weniger nützlichen Umschulungs- bzw. Weiterbildungsmaßnahmen, die von den Behörden angeboten werden. Manche müssen diese sogar verpflichtend wahrnehmen. Doch sind solche Kurse und Schulungen für den Arbeitsmarkt wirklich wertvoll? Es könnte sich auch um reine Zahlenkosmetik handeln. Wir haben uns die Sinnhaftigkeit von Umschulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen am Arbeitsmarkt näher angesehen.

Bitte beachten

  • Allein Deutschland gibt 3 Milliarden Euro pro Jahr für Arbeitslosen-Weiterbildungskurse aus.
  • Rund 1 Million arbeitslose Deutsche nehmen diese pro Jahr in Anspruch.
  • Auch in Österreich werden Schulungen für Langezeitarbeitslose sehr stark forciert. 
  • Die staatlichen Einrichtungen sprechen von "deutlicher Erhöhung der Jobchancen", Kursteilnehmer klagen aber nicht selten über "verschwendete Zeit" und "sinnloses Angebot".
  • Die Diskussion, ob diese Maßnahmen nun insgesamt gut für den Arbeitsmarkt sind, wird jedenfalls nach wie vor in beiden Ländern intensiv geführt.

Was bringen Umschulung und Weiterbildung für Arbeitslose für den Arbeitsmarkt?

  • Arbeitslose können durch diese Maßnahmen leichter wieder Arbeit finden.
  • Allerdings werden dadurch "nur" weniger qualifizierte Arbeitnehmer vom Arbeitsmarkt verdrängt.
  • Insgesamt ändert sich an der Arbeitslosenrate nichts oder nur sehr wenig.
  • Auch wenn politische Entscheidungsträger immer wieder das Gegenteil behaupten: Studien haben ergeben, dass Umschulungsmaßnahmen sowie Weiterbildung weder im Hinblick auf Jobchancen, noch puncto Einkommen, siginfikante Effekte haben.
  • Das Resultat in der Praxis sind häufig Kurzzeitjobs. Danach fällt man häufig wieder in die Arbeitslosigkeit zurück.
  • Kritischerweise könnte man sogar feststellen, dass so nur die statistischen Zahlen für die Langzeitarbeitslosigkeit geschönt werden. In der Realität gibt es aber nur kurzfristig positive Effekte.
  • Fazit: Umschulung und Weiterbildung für Arbeitslose können fallweise für den Einzelnen sinnvoll sein, ändern aber viel zu wenig an der Gesamptproblematik.

 

Wieso wirken sich Schulungsmaßnahmen für Arbeitslose nicht stärker auf die Arbeitslosenrate aus?

  • Die Wahrscheinlichkeit, arbeitslos zu werden, sinkt mit steigendem Bilungsniveau. Das gilt jedoch de facto nur für den Einzelnen.
  • Auch groß angelegt Schulungsmaßnahmen für Arbeitslose können die Gesamt-Arbeitslosenquote jedoch nicht signifikant senken.
  • Der Grund: Es gibt einfach zu wenig Arbeitsplätze am Markt. Dieses Problem kann auch durch bessere Qualifikation der Arbeitsuchenden nicht aufgehoben werden.
  • Stärker wird jedoch der Konkurrenzkampf. Immer besser ausgebildetes Personal muss immer verantwortungsvollere Aufgaben übernehmen, die Entlohnung steigt aber nicht im gleichen Maße. In vielen Branchen muss man auf Grund der aktuellen Jobsituation auch Tätigkeiten "unter dem eigenen Niveau" annehmen, um nicht den Anschluss zu verlieren.
  • Es kommt also zu einer Umschichtung, aber nicht zu einer Reduktion der Arbeitslosigkeit.

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