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Letztes Update am 04.11.2014, 14:23
Seit Jahrhunderten versucht die Menschheit eine gesunde Alternative zu Zucker zu finden.

Antriebslosigkeit, Müdigkeit, Karies und im schlimmsten Fall sogar Diabetes: Hoher Zuckerkonsum ist extrem ungesund und kann unseren Körper auf Dauer nachhaltig schädigen. Dem aktuellen Diabetesbericht zufolge sind weltweit bereits 366 Millionen Menschen gesundheitlich von den negativen Auswirkungen des Zuckers betroffen, alleine in Europa leiden 53 Millionen Personen an Diabetes. Seit vielen Jahren versuchen die Menschen deshalb, Stoffe zu finden, die ihr süßes Verlangen ebenso gut stillen können wie Zucker, unsere Gesundheit aber trotzdem nicht in Gefahr bringen. Denn so ganz auf den wunderbaren Geschmack – den übrigens die Araber im 7. Jahrhundert entdeckt haben - verzichten, das möchte niemand so wirklich.

 

Der Zucker der armen Leute

15px;">Der erste künstliche Süßstoff wurde im Jahr 1878 entdeckt – der Legende nach durch einen banalen Zufall: Als der deutsche Chemiker Constantin Fahlberg mit Steinkohleteer experimentiert, kocht der Versuchsansatz über. Abends bemerkt der Wissenschaftler, dass ein angenehm süßes Aroma von seinen Händen ausgeht – der Süßstoff Saccharin wird erfunden. Weil der neue Stoff im Vergleich zu Zucker sehr billig zu kaufen ist, wird er auch unter dem Begriff „Zucker der armen Leute“ bekannt.

 

Nach einer Verbotsperiode zwischen den Jahren 1902 und 1916 zugunsten der Zuckerindustrie, erfährt der Stoff während der Zeit des Zuckermangels im Zweiten Weltkrieg neue Beliebtheit. Saccharin ist auch heute noch in zahlreichen Diätprodukten zu finden. Nach Saccharin wurde im

Jahr 1891 – ebenfalls von einem deutschen und einem französischen Chemiker – der Zuckeraustauschstoff Sylitol entdeckt. Dieser ist genauso süß wie gewöhnlicher Zucker, enthält aber deutlich weniger Kalorien und greift die Zähne kaum an.

Süßstoff statt Medizin

Als Wissenschaftler der Universität Illinois ein fiebersenkendes Mittel erzeugen wollen, entwickeln sie – erneut durch Zufall – den Zuckerersatzstoff Cyclamat. Rund 20 Jahre später wird in der Tropenregion Afrikas die Katemfe-Frucht entdeckt, aus der seither der natürliche Süßstoff Thaumatin gewonnen wird, der unvorstellbare 2000 bis 3000 mal süßer schmeckt als Haushaltszucker.

 

Nach Acesulfam, Aspartam und Neohesperidin in den 1990er-Jahren, gilt die Süße der südamerikanischen Stevia-Pflanze momentan als neueste Errungenschaft. "Der Konsum führt nicht zu einer Erhöhung des Blutzuckerspiegels und es hat keinen Einfluss auf den Insulinhaushalt", erklärt Ernährungsexperte Christian Matthai. Heißhungerattacken, die durch den rasanten Abfall des Blutzuckerspiegels verursacht werden, bleiben aus. Nach einem langen Prüfverfahren wurde das Zuckerblatt Ende 2011 in der Europäischen Union zugelassen – und versüßt seither den Speiseplan vieler Menschen.

Wer ab und an trotzdem gerne das originale Aroma von Haushaltszucker genießt, der muss sich nicht um den Fortbestand der süßen Kristalle sorgen, denn Stevia spendet zwar Süße, schmeckt aber nicht genauso wie herkömmlicher Zucker: „Er wird daher nie vom Markt verschwinden“, beruhigt der Arzt Matthai alle Zuckerfans.

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