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Warum finden Beschneidungen statt?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:53
Unter Beschneidung versteht man die chirurgische Entfernung der Penisvorhaut des Mannes.

Unter Beschneidung versteht man die teilweise oder ganze chirurgische Entfernung der Penisvorhaut des Mannes. Im weiteren Sinne wird darunter auch die Entfernung der weiblichen äußeren Geschlechtsorgane verstanden, man spricht hier meist von FGM (Female Genital Mutilation). Art und Ausmaß dieser Praktik variieren und sind in annähernd jedem Kulturkreis anzutreffen.

Historische Ursprünge

  1. Als älteste bildliche Darstellung einer männlichen Beschneidung gilt ein ägyptisches Relief aus dem dritten vorchristlichen Jahrtausend. 
  2. Die bislang noch unerforschten eigentlichen Ursprünge des Rituals liegen jedoch noch weiter zurück. 
  3. Eine mögliche Deutung liegt in der Ablösung frühgeschichtlicher Menschenopfer: Um die Götter zu besänftigen, opferte man nicht mehr einen ganzen Menschen, sondern nur noch einen Teil von ihm. 
  4. Auch hygienische (Beschneidung vor allem in wasserarmen Regionen) und frühmedizinische Gründe (Bekämpfung von Geschlechtskrankheiten) sind wahrscheinlich.


Kulturelle Umdeutung

  1. Im Laufe der Geschichte gerieten solche Ursprünge in Vergessenheit und wurden als Initiationsriten umgedeutet. 
  2. Beschneidung wurde begriffen als Zeichen der Zugehörigkeit zu einer kulturellen oder religiösen Gruppe. 
  3. Daher waren es meist Kinder oder Heranwachsende, die durch die Erduldung dieses meist schmerzhaften Prozesses in die Gemeinschaft der Erwachsenen aufgenommen wurden.


Religion - Judentum und Islam

  1. Die Bibel berichtet, dass Abraham die Beschneidung der männlichen Mitglieder seines Volkes eingeführt habe. 
  2. Da sowohl das Judentum wie der Islam sich auf Abraham („Ibrahim“) als ihren mytischen Stammvater berufen, wurde in beiden Religionen das Ritual zum festen Bestandteil des religiösen Lebens. 
  3. Auch die verschiedenen Formen weiblicher Beschneidung finden sich hauptsächlich in islamisch geprägten Ländern. 


Sexualerziehung, Hygiene

  1. Die sich zivilisiert nennende Welt des 18. Jahrhunderts war eine sexualfeindliche, körperliche Lust und Masturbation galten als lasterhaft und Zeichen von Krankheit. 
  2. In den puritanischen Gesellschaften Englands und der USA wurde die Beschneidung vor allem der Jungen aber auch der Mädchen als probates Mittel angesehen, die schädliche sexuelle Begierde zu bekämpfen. 
  3. Als diese Argumente nicht mehr durchsetzbar waren, führte man verbesserte Hygiene und Vorbeugung bestimmter Krebsarten durch die Beschneidung ins Feld. 
  4. Wissenschaftliche Untersuchungen konnten keine dieser Theorien belegen. 
  5. Heute wird der Eingriff in vielen Ländern von den Krankenkassen nur noch bei medizinischer Indikation (z. B. Phimose) bezahlt.

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