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Warum können Männer nach dem Orgasmus nicht gleich wieder?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:34
Der männliche Orgasmus, Höhepunkt oder Samenerguss, ist an bestimmte physiologische Voraussetzungen gebunden.
Dies sind beim Mann die Erektion und auch die Ejakulation. Nach dem Orgasmus, Höhepunkt oder Samenerguss tritt beim Mann zunächst die sogenannte postkoitale Müdigkeit oder Refraktärphase auf, während der keine Erektion und damit auch kein Orgasmus, Höhepunkt oder Samenerguss auftreten.

Der Prolaktinspiegel beim Mann

  • Etwa 80 % aller Männer sind nach vollzogenem Koitus zunächst von einer gewissen Phase der Müdigkeit betroffen. Diese Phase ist vermutlich durch eine Reihe von Hormonen ausgelöst worden, die während der Ejakulation im männlichen Gehirn freigesetzt wurden. Unter den Hormonen, deren Spiegel beim Mann nach einer Ejakulation deutlich ansteigt, ist vor allem das Prolaktin interessant. Untersuchungen haben dabei einen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Prolaktinspiegel und dem Auftreten der postkoitalen Müdigkeit beim Mann nachgewiesen. 
  • Männer mit Prolaktinmangel waren nach vollzogener Ejakulation bedeutend schneller wieder zu erneuten sexuellen Aktivitäten fähig. Es wird angenommen, dass die nach vollzogenem Beischlaf auftretende Müdigkeit und Erschöpfung eine verstärkte Ausschüttung des Prolaktins bewirkt. Die Prolaktinausschüttung soll eine erneute Ejakulation des Mannes vermeiden und eine Erholung des männlichen Organismus durch Schlaf ermöglichen. Das Prolaktin ist nicht nur ejakulationshemmend und schlafauslösend, es reduziert auch deutlich die sexuelle Erregbarkeit des Mannes. Gerüchten zufolge ist es möglich, die postkoitale Ausschüttung des Hormons Prolaktin beim Mann durch die Gabe eines Medikamentes namens Cabergolin, ein normalerweise bei Parkinsonkranken angewendetes Therapeutikum, fast völlig zu unterdrücken, was Männer in die Lage versetzen soll, multiple Orgasmen zu erleben.

Erektion

  • Charakteristisch für die postkoitale Phase des Mannes ist auch das als Detumeszenz bezeichnete Abschwellen des Penis. Hierbei geht die Erektion zurück und das Blut fließt aus den Schwellkörpern heraus. Bis zu einer nächst möglichen Erektion sind somit weder Koitus, noch Ejakulation des Mannes möglich. Auch das Abschwellen des Penis und das Entleeren der männlichen Schwellkörper führt man auf die Ausschüttung des Prolaktins zurück.
  • So lange der Prolaktinspiegel im männlichen Organismus erhöht ist, wird eine erneute Befüllung des männlichen Penisschwellkörpers (Corpus cavernosum penis) mit Blut über die Zuflüsse (die sogenannten Sperrarterien) wirksam hormonell blockiert. Ebenso blockiert der erhöhte Prolaktinspiegel das mit für die Errektion verantwortliche Abdrücken von venösem Blut, das während der Erektion im erigierten Penis verbleibt. Die für die Erektion charakteristische Erhöhung des Blutdruckes im Schwellkörper, die etwa dem Zehnfachen des sonst üblichen Blutdruckes entspricht, kann dadurch nicht stattfinden. Der männliche Penis bleibt erschlafft, der männliche Organismus empfindet einen angenehmen Zustand der Müdigkeit und die Empfänglichkeit für sexuelle Erregung ist nahezu vollständig reduziert, um dem männlichen Organismus die Möglichkeit der Regeneration zu verschaffen. 

Physiologische Mechanismen

  • Gleichfalls soll die Detumeszenz dem männlichen Organismus offenbar die nötige Zeit verschaffen, um die erneute Samenproduktion in den Hoden und die Erzeugung des bei der Ejakulation gleichfalls freigesetzten Sekrets der Prostata, erneut zu initiieren. Eine sich unmittelbar an eine männliche Ejakulation anschließende erneute Ejakulation wäre eine sogenannte trockene Ejakulation, ohne Spermien und Sekret. Die Müdigkeitsphase nach der Ejakulation des Mannes ist somit offenbar ein natürlicher Schutzmechanismus, der gewährleisten soll, dass der männliche Organismus ausreichend fit und eine Erektion möglich ist, um eine erfolgreiche Fortpflanzung zu garantieren.

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