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Hat man Entschädigungsanspruch bei Flugausfall oder Flugverspätungen?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:55
Inzwischen ist der Erstattungsanspruch für Verspätungen in einer EU-Richtlinie geregelt.

Du stellst eine interessante Frage, die in der Vergangenheit schon oft zu Missverständnissen und Ärger sowohl bei den Fluggesellschaften, als auch den Urlaubern geführt hat! Inzwischen ist der Erstattungsanspruch für Verspätungen in einer EU-Richtlinie geregelt. Da insbesondere Billigflieger praktisch keine Ersatzflugzeuge oder zusätzliches Personal in Bereitschaft haben haben sich bis zum Inkrafttreten der Richtlinie dort die Verspätungen gehäuft. Interessant dabei ist, dass diese für den Kunden großzügigen Regelungen für alle Abflüge und Ankünfte ab Europa gelten. Also ganz unabhängig davon, ob die Fluggesellschaft in Europa beheimatet ist oder nicht.

Deine Frage zielt ganz konkret darauf ab, ob eine Zwischenlandung mit einer Verspätung von 2 Stunden einen Erstattungsanspruch rechtfertigt.

  • Die EU-Richtlinie ist hier eindeutig und abhängig von der Entfernung des Fluges! Für Flüge bis zu einer Entfernung von 1.500 Kilometern gibt es einen Entschädigungsanspruch bereits ab 2 Stunden Verspätung. Die Entschädigungssumme beträgt hier 250 Euro pro Fluggast.
  • Hast Du einen Flug gebucht, der zwischen 1.500 und 3.500 Kilometern Entfernung zurücklegt, dann gibt es einen Erstattungsanspruch erst ab einer Verspätung von drei Stunden. In diesem Fall wäre die Zwischenlandung also einfach nur eine hinnehmbare Verspätung.
  • Gestatte mir noch eine persönliche Ergänzung aus wirtschaftlicher Hinsicht: Jede Zwischenlandung verursacht bei der Fluggesellschaft enorme Kosten für Landegebühren, zusätzlichen Treibstoff und manchmal auch Personal (wenn die maximale Arbeitszeit überschritten werden würde). Insofern überlegt es sich jede Fluggesellschaft genau, ob sie denn eine Zwischenlandung durchführt, die zu Verspätungen führt. Wird dieser Flug im Charterverkehr und im Paket mit weiteren Reisearrangaments angeboten, dann muss die Fluggesellschaft bzw. der Reiseveranstalter Busse uns Transferarrangements umbestellen.
  • Eine Zwischenlandung ist also meist eine kurzfristige Umdisposition, um beispielsweise andere Urlauber (bei einem schlecht gebuchten Zielort) doch noch an das Urlaubsziel zu bringen oder dort abzuholen. Deshalb ist die Zwischenlandung nicht wirklich schlimm.
  • Anders würde es nur bei einem Tagesflug beispielsweise von Wien nach Hamburg sein mit einer abendlichen Rückkehr. Dort könnte man argumentieren, dass die Zeit für die Stadtbesichtigung zu kurz werden würde und dann die Reise verschieben.

Die EU Regelung für Ausgleichs und Unterstützungsleistungen für Fluggäste im Fall der Nichtbeförderung und bei Annullierung oder großer Verspätung von Flügen. - Hier ein Link zu dem Dokument.

  1. Genaue Uhrzeiten der Verspätung aufschreiben, ggf. das Abflugdisplay fotografieren.
  2. Die Grundzüge der EU-Regeln zu kennen kann nicht schaden!
  3. Möglichst bald schriftlich bei der Fluggesellschaft reklamieren. Mindestens per Einschreiben und die Forderung anmelden.
  4. Überlegen ob Du eine Entschädigung in bar oder einen höheren Fluggutschein haben möchtest.

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