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Warum ist die Lebensqualität in der Stadt Wien so hoch?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:26
Bekanntlich ist Österreichs Hauptstadt in Rankings der Beratungsgesellschaft Mercer zur Nummer 1 von 215 lebenswerten Städten dieser Welt auserkoren worden.

Wenn im Prater wieder die Bäume blüh‘n und der Heurige im Glase funkelt, kommt das Blut an der schönen blauen Donau gehörig in Wallung – es bleibt nicht aus, sich dem Thema Wiener Lebensqualität mittels obsoleter Klischees zu nähern. Bekanntlich ist Österreichs Hauptstadt in Rankings der Beratungsgesellschaft Mercer zur Nummer 1 von 215 lebenswerten Städten dieser Welt auserkoren worden. Das Ergebnis der Studie trifft zu und es gibt verschiedene Gründe dafür.

Die kleine Stadt

Die Donaustadt ist keine Megacity und gerade deswegen eine der angenehmsten, entspanntesten Städte, in der man das Gefühl hat, alles beieinanderzuhaben, was man so braucht. Vielleicht gehören die Fiaker dazu, der Heurige im Grinzing oder eine Riesenradfahrt im Prater.
Bestimmend für die hohe Lebensqualität sind aber sicher die vielen Museen und Sammlungen von internationalem Rang. Die Kunsthalle beispielsweise zählt zu den europaweit renommiertesten Museen der Gegenwartskunst.
Die Stadt hat Paläste, wie die Hofburg, Schönbrunn oder Belvedere, das Hundertwasser Village und die Spanische Hofreitschule, die Universität sowie ein reges Theater- und Musikleben. Wobei Letzteres nicht auf den berühmten Walzer oder die Philharmoniker allein beschränkt werden sollte. Genauso wenig wie das Theaterschaffen lediglich von Grillparzer, Nestroy oder Karl Kraus allein bestimmt ist.
Die Lebensqualität prägen auch Schriftsteller und Filmemacher. Wer im städtischen Filmfundus sucht, trifft auf „Orlacs Hände“, einen haarsträubenden Conrad-Veidt-Gruselschocker von 1924, der allerdings auf die geheimnisvolle, melancholische Seite der Stadt führt. Sind ortsansässige Krimiautoren wie Lilian Faschinger, Stefan Slupetzky oder Edith Kneifl deshalb so erfolgreich, weil „der Wiener immer eine schöne Leich‘ zu schätzen weiß “?
 

Der Schmäh

'Open Sans', sans-serif; font-size: 15px; font-style: normal; font-variant: normal; line-height: 22.5px;">Neben der Kultur prägen die unverwechselbare Lebensart, die Umgangsformen und das Aperçu seiner Bewohner das Bild der Stadt, das landläufig mit „Wiener Schmäh“ umschrieben wird.
"Küß' die Hand, gnä' Frau, wie geht's dem Herrn Gemahl?" ist den Deutschen noch verständlich, hört man folgende Ansage an einem der vielen Würstelstände, ist es damit meist vorbei: „Ein Sechzehner-Blech und eine Eitrige mit einem Buckel, bittschön“.
(Das Sechzehner-Blech ist eine Bierdose, die Eitrige eine Käsewurst und ein Buckel ist ein Brotkanten.)
Oder: “Jö servus, wie geht's dir denn, gut schaust aus!“ Im lang gezogenen Stadtdialekt vorgetragen meint man nicht immer, was man sagt. Dennoch kommt alles charmant und entspannt herüber - als „Schmäh“ eben, der alle Unpässlichkeiten des Lebens herunterspielt …

Das leichte Leben

'Open Sans', sans-serif; font-size: 15px; font-style: normal; font-variant: normal; line-height: 22.5px;">Wer Wien verstehen will, besucht seine Kaffeehäuser, die Märkte oder besser noch die Flohmärkte.
Auf dem „Naschmarkt“ wird eine typische Melange aus Tand, Ramsch, Schmäh und hochwertiger Kunst angeboten, die diesen Flohmarkt auf eine Stufe mit dem römischen Flohmarkt an der Porta Portese oder dem größten Flohmarkt Europas im französischen Lille stellt.

Superlative bieten auch die renommierten Kaffeehäuser Wiens. Ist das „Café a Brasileira“ in Lissabon, das “Café de Flore“ in Paris oder doch das „Café Central“ das schönste? Mit dem „Hawelka“, dem „Landtmann“ und dem „Sperl“ gehört das „Central“ zu den heiligen Kaffeehaus-Hallen an der Donau. Hier in der Säulenhalle des Palais Ferstel verbinden sich höchste Kaffeekultur und die freigeistige Atmosphäre von Literaten, Freidenkern und Politikern.

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