Foto: Shutterstock.com / Wahlprognosen halten nicht immer das, was sie versprechen...

Meinunsgsumfragen vor Wahlen - Die größten Fehleinschätzungen bisher

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:28
Meinungsumfragen und Wahlprognosen sind inzwischen zu einem wichtigen Bestandteil des politischen Alltags geworden.
Nach jeder Rede und jedem Schnitzer eines Kandidaten wird tagesaktuell der Einfluss auf den Ausgang der Wahl ermittelt. Es scheint, als wäre das Wahlergebnis schon Tage und Wochen vorher abzusehen. Doch immer wieder unterlaufen den Meinungsforschern auch Fehler.

Einige Patzer der Meinungsforschung in der Vergangenheit

Bereits die erste historisch belegte Meinungsumfrage zum Ausgang einer Wahl entpuppte sich als Fehler: Im Jahre 1824 standen in den noch jungen USA Präsidentschaftswahlen an. In dem Umfragen lag Andrew Jackson mit 59% klar vorn. Am Ende zog aber sein Gegenkandidat John Quincy Adams ins Weiße Haus ein.

Der wohl bekannteste Fall in Deutschland war die Bundestagswahl 2005. SPD-Kanzler Gerhard Schröder hatte mit einem formellen Trick die vorzeitige Auflösung des Bundestages und Neuwahlen erreicht. In dem Umfragen lag dennoch die Union mit 42% klar vorn. Experten gingen von einem Sieg für eine schwarz-gelbe Koalition aus. Am Wahlabend kam dann eine böse Überraschung: Das Ergebnis lag gut 5% unter dem erwarteten Ergebnis. So musste die Union in eine große Koalition einwilligen. Gerhard Schröder musste dennoch das Kanzleramt räumen - die SPD war nur Juniorpartner.

Auch bei den Landtagswahlen in Niedersachsen im Januar 2013 lagen die Meinungsforscher daneben: Die CDU schnitt gut 5% schlechter ab als erwartet, dafür verdoppelte die FDP ihr vorhergesagtes Ergebnis. Grund dafür waren offenbar taktische Wahlentscheidungen, bei denen Wähler in den Umfragen die CDU als Präferenz angaben, dann aber am Wahltag ihr Kreuz bei der FDP machten, um ihr den Einzug in den Landtag zu ermöglichen. Im Ergebnis kam es dann zu einer schwarz-gelben Koalition.

Bei den Präsidentschaftswahlen in den USA 2012 kam es zu einer besonders bizarren Entwicklung: Die gängigen Meinungsumfragen sahen Amtsinhaber Barack Obama mit einem geringen, aber ausreichenden Vorsprung. Daran entzündete sich massive Kritik seitens der republikanischen Partei, welche die Umfrageergebnisse für tendenziöse ("skewed") Berichterstattung linksgerichteter Medien hielten. In der Folge veröffentlichten den Republikanern nahestehende Umfrageinstitute - die vor der Wahl noch gar nicht existierten - "angepasste" und "bereinigte" ("unskewed") Ergebnisse, die ihren Kandidaten Mitt Romney deutlich vor Obama zeigten. Entsprechend gingen die Republikaner dann auch vom Sieg ihres Kandidaten aus, der auch nur eine Siegesrede einplante. Das Endergebnis fiel dennoch zugunsten Obamas aus, und Romney musste seine Rede in aller Eile umschreiben.

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