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Probleme zur WM 2014: Das ist passiert

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:34
Kaum ein anderes Land wird weltweit so mit bedingungsloser Liebe zum Fußball verbunden wie Brasilien.
Jenes Land das den Worldcup bereits fünf mal gewann und nun nach 1950 zum zweiten Mal die Fußball WM 2014 austragen wird. Daher ist es umso erstaunlicher, dass der Confed Cup 2013 als offizieller Testlauf, von schweren landesweiten Protesten begleitet wurde. Doch was bewegt hunderttausende Brasilianer gegen das sportliche Großereignis ihres Lieblingssportes aufzubegehren, was sind die Probleme? Der Imagegewinn den sich Brasilien durch die weltweite Berichterstattung, die erwarteten Fußballtouristen, die Bilder von Stadien an Traumorten, erhofft, scheint dahinzuschwinden. 

FIFA Worldcups als Inszenierung

  • Die WM in Deutschland 2006 wurde als Sommermärchen inszeniert, aber bereits in Südafrika zur WM 2010 gab es kritische Stimmen zu den Kosten, den Standorten und der Kommunikationspolitik.
  • Korruption und fehlende Transparenz sind erneut die Hauptschlagworte der Demonstranten gegen die WM 2014 in Brasilien.
  • Für das Sportereignis des Jahres wurden sechs Stadien renoviert und ebenso viele Arenen komplett neu gebaut. Brasilien erfüllt scheinbar bedingungslos alle Auflagen der FIFA, hinkt aber in der Fertigstellung hinterher, so sollen einige Stadien quasi kurz vor dem Anpfiff erst fertig gestellt werden.
  • Kostenpunkt für die WM 2014: momentan 10,5 Milliarden Euro. Dies bedeutet einen Anstieg um 14,7 Prozent der Kosten seit 2011 das Budget final aufgestellt wurde. 

Protest gegen was?

  • Losgetreten wurden die Proteste durch eine Erhöhung der Preise im öffentlichen Nahverkehr, die mittlerweile auf Grund der Demonstrationen zurückgenommen wurden, ein klarer Erfolg für Demokratie. Das Armenviertel, sogenannte Favelas, teilweise komplett mit Habseligkeiten der Bewohner abgerissen wurden, um den Bauten zu weichen, das Gelder durch Korruption in den Gemeinden vermeintlich versiegen, Bauarbeiter auf den Baustellen in Sao Paulo sterben, all diese Probleme helfen der Regierung nicht.
  • Diese betreibt vornehmlich Schadensbegrenzung und feuert so die Proteste eher an. Denn genau diese verspätete Kommunikation mit dem Volk, eine fehlende Transparenz in den Entscheidungen gekoppelt mit aggressiven Aktionen von Polizei und Armee, treibt Menschen auf die Straßen.
  • Ein Hauptargument der Gegner der WM 2014 ist, das die hohen Standards für Stadien auch auf Krankenhäuser, Schulen und Straßen angewendet werden sollten. Das Volk wünscht sich eine Teilhabe an den Gewinnen des Sportereignisses des Jahres, Schlagwort: Nachhaltigkeit. 
  • Die Protestierenden eint unter anderem die Angst, sich die Mieten in den Ballungsräumen um die Stadien nicht mehr leisten zu können, eine Furcht die hunderttausende von Menschen betrifft.
  • Einen kleinen Erfolg der Sozialproteste konnte nun durch den Einsatz von zwei hochrangigen politischen Mittelsmännern, um die Förderung des Dialoges zu unterstützen, erreicht werden. Brasiliens Präsidentin Dilma Roussef scheint den Ernst der Lage langsam zu erkennen.
  • Wie auch immer die Weltmeisterschaft enden wird, die Öffentlichkeit wird sich dem Diktat der internationalen Sportverbände FIFA und IOC nicht mehr so unterwerfen, wie gewohnt. Ob das eine andere Politik der mächtigen Sportvereine erzwingen kann, oder diese mit ihren Veranstaltungen demokratische Länder dann eher meiden, bleibt abzuwarten.

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