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Warum gibt es kein Eltern-Amt?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:16
Für alles gibt es ein Amt aber nicht für Eltern. Warum?

Schon häufig wurde die Frage gestellt, warum das sogenannte Jugendamt eigentlich keinen Gegenpart in Form eines Elternamts habe. Immerhin sollten auch Eltern eine Behörde zur Unterstützung und Wahrung ihrer Interessen und Rechte haben. Viele Eltern fühlen sich durch die Maßnahmen des Jugendamts in ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt und in ihrer Funktion als Vormund selbst bevormundet. Das Jugendamt sei als Gegner übermächtig und werde von den Gerichten in der Regel in seinen Ansichten bevorzugt unterstützt. Eltern, die sich hilfesuchend an diese Behörde wandten, berichteten häufig, diesen Schritt im Nachhinein bereut zu haben, da plötzlich nicht mehr das Wohl ihres Kindes, sondern ihr angebliches Unvermögen, dies sicher zu stellen, im Vordergrund gestanden habe.

  • Bei ausführlicherer Information über den Auftrag des Jugendamts wird deutlich, dass neben bereits erwähntem Schutzauftrag auch die Pflicht zur Unterstützung der Eltern in der Erfüllung ihres Erziehungsauftrags besteht.
  • Diese nimmt das Jugendamt z.B. durch Einsatz sogenannter Familienhelfer wahr. Auch hier tun sich, darf man Berichten der Medien glauben, teilweise erschreckende Abgründe auf: Da wird berichtet von Familienhelfern, die konsequent die Augen vor dem Elend durch sie zu betreuender Kinder verschließen, von persönlichen Animositäten, die dazu führen, dass Kinder ihren Eltern entrissen werden.
  • Liest man diese Berichte, kommt man kaum umhin, die moralische Legitimation des Handelns vieler Mitarbeiter des Jugendamts in Frage zu stellen.

Warum gibt es kein Eltern-Amt?

Der Begriff:

  • Der Begriff Jugendamt geht darauf zurück, dass diese Behörde einen Schutzauftrag für Kinder und Jugendliche hat, welche selbst noch nicht in der (rechtlichen) Lage sind, ihre Interessen zu vertreten. Warum die im Gegensatz zu Kindern immerhin etwas weniger schutzbedürftigen Jugendlichen als Namensgeber fungierten, wirft allerdings Fragen auf. Besonders in den letzten Jahren schockierten immer mehr Fälle von Kindesmissbrauch und -vernachlässigung die Öffentlichkeit, die teilweise sogar zum Tode der betroffenen Kinder führten.
  • In der Bevölkerung vermehrte sich die Ansicht, dass das Jugendamt seinem Schutzauftrag, gerade für die Jüngsten, nicht angemessen nachgekommen und somit grundlegend mitverantwortlich für deren Martyrien gewesen sei. Vor diesem Hintergrund erschiene zunächst eine Umbenennung des Jugendamts in ein Kinderamt sinnvoll, um die am meisten Schutzbedürftigen in den Vordergrund zu stellen.

 

Die Behörden:

  • Wie sollte nun also eine Behörde aussehen, welche Aufgaben sollte sie wahrnehmen, die den Titel Elternamt trägt? Prinzipiell erscheint es nicht sinnvoll, eine eigene Institution zu schaffen, die die Interessen der Eltern vertritt - da ja bereits das Jugendamt diesem Auftrag nachkommen soll.
  • Dass die Arbeit der Jugendämter diesem nicht immer gerecht wird und manchmal sogar kontraproduktiv zu sein scheint, steht auf einem anderen Blatt. Eine Umbenennung des Jugendamts in Elternamt ergäbe ebenso wenig Sinn, da der Fokus sich somit verschieben würde und diejenigen, die in der Lage sein sollten, ihre Interessen eigenständig zu vertreten und wahrzunehmen, vor schutzbedürftigen Kindern und Jugendlichen Erwähnung fänden.
  • Ob nun Kinder-, Jugend- oder Elternamt - jede dieser Namensgebungen scheint eine Gruppe zuungunsten einer anderen vorzuziehen. Aus diesem Grund wäre die sinnvollste Benennung einer Institution, die Familien als komplexen Systemen und ihren einzelnen Mitgliedern hilft und sie unterstützt, das Familienamt.
  • Unbedingt Voraussetzung wäre jedoch, dass die Aufgaben und Befugnisse einer solchen Behörde neu geregelt und Schwachstellen ausfindig gemacht und verbessert würden.

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