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Warum gibt es vor der Fußball-WM in Brasilien Proteste und Demonstrationen?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:34
Nicht alle stehen der WM positiv gegenüber.

Viele Menschen auf der ganzen Welt freuen sich auf eines der größten Sportereignisse in diesem Jahr: Die Fußball-WM in Brasilien. Doch vor allem die Brasilianer selbst sind bereits von Anfang an gegen dieses Projekt und scheuen nicht davor, ihre Abneigung öffentlich kund zu geben. 

Quick-Facts

  • Die Fußball-WM kostet über 30 Milliarden Dollar.
  • Die Wut in der Bevölkerung Brasiliens wächst stetig an.
  • Die Ausschreitungen werden immer mehr von Gewalt geprägt.
  • Die Regierung und die Politik ignorieren die Vorfälle bei öffentlichen Auftritten.
  • FIFA und Fußballer haben Verständnis für die Demos (oder tun zumindest so), distanzieren sich jedoch klar von den gewalttätigen Ausschreitungen.

Warum protestiert die Bevölkerung?

  • Die Fußball-WM verschlingt Unmengen an Geld. Die Ausschreitungen der Bevölkerung richten sich gegen die enorm hohen Kosten.
  •  Während des Confederation Cups, der als Testlauf für die WM selbst galt, protestierten über 200.000 Menschen in verschiedenen Städten Brasiliens. Allein etwa 100.000 Menschen nahmen an den Protesten in Rio De Janeiro teil. Die Demos selbst begannen mit der Erhöhung der Fahrpreise für die Busse in Brasilien. 
  • Doch das ist längst nicht mehr der Grund. Die neuen Stadien, die extra für die Fußball-WM gebaut werden, sind überteuert. Darüber hinaus gibt es heimliche Absprachen und unlautere Geschäfte zwischen Fifa und der Regierung. Aber auch die Kleptokratie im Senat und Kongress heizten die Proteste noch weiter an. Politiker verdienen in Brasilien gutes Geld, Lehrkräfte hingegen kommen im Monat kaum über die Runden.
  • Doch es sind unlängst nicht mehr nur friedliche Demos. Die Wut der Bevölkerung schlägt immer mehr in Gewalt um. Sie verlangen mehr Geld für Universitäten, Schulen und Krankenhäuser, anstatt Milliarden-Ausgaben für ein einziges Sportspektakel. Außerdem sind sich die Brasilianer einig: Fußball-WM schön und gut, aber ihr Land benötigt derzeit etwas ganz anderes. 
  • Die Kriminalität nimmt stetig zu, Krankenhäuser sind teilweise baufällig und nicht ausreichend ausgestattet und das Bildungssystem benötigt ebenso eine völlige Restaurierung. Doch die Regierung steckt insgesamt über 30 Milliarden Dollar in die Fußball-WM, das ist mehr, als die letzten drei Weltmeisterschaften zusammen gekostet haben. 

Wie reagiert die Regierung darauf?

  • In der Öffentlichkeit steht die Regierung voll und ganz hinter diesem Mammut-Projekt. Die Präsidentin Brasiliens, Dilma Rousseff, beschreibt bei Auftritten, dass man stolz auf das Land sein könnte. Die Mittelschicht würde weiter anwachsen und die Wirtschaft erlebe einen positiven Aufschwung. Kein Wort über die Ausschreitungen in ihrem Land. 
  • Immer mehr Demonstranten werden bei Protesten verletzt und festgenommen. Fotografen, die zuvor eine Akkreditierung erhielten, werden von Einsatzkräften daran gehindert, Fotos zu machen. 
  • Der Präsident der FIFA, Joseph Blatter, hingegen scheint Verständnis für die Lage der Bevölkerung zu haben und ist damit der brasilianischen Politik einen weiten Schritt voraus. Dennoch erwartet er, dass der Fußball selbst nicht als Instrument genutzt wird, um die Forderungen der Menschen zu verkünden. Viele Fußballprofis aus Brasilien stehen hinter den friedlichen Protesten, verabscheuen aber die zunehmende Gewaltbereitschaft der Bevölkerung. 
  • Die Politik hingegen verhält sich eher kontraproduktiv und schickte paramilitärische Spezialkräfte in die verschiedenen Städte. Angeblich sei das schon vor den Ausschreitungen festgelegt worden. Polizisten setzten Tränengas und Gummigeschosse ein und immer mehr unbeteiligte Fußballfans werden in die Demos involviert. 
  • Die einheimischen Medien berichten kaum von den Demos und den Problemen im Land. Die Aktivisten nutzen soziale Netzwerke und YouTube als Plattformen, um die Welt vom Zustand in ihrem Land zu informieren. 

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