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Wer war Ronnie Biggs? - Ein legendärer Räuber im Portrait

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:33
Ronnie Biggs war mit Abstand der bekannteste Posträuber im englischen Königreich des 20. Jahrhunderts.

Ronnie Biggs war mit Abstand der bekannteste Posträuber im englischen Königreich des 20. Jahrhunderts.

Ronnie Biggs - Portrait

Die Person und der Postraub

Ronald Arthur „Ronnie“ Biggs, geb. am 8. August 1929 in Lambeth, London, zählte zu den insgesamt 14 weiteren Mitgliedern einer Bande, die in den frühen Morgenstunden des 8. August 1963, den Postzug von Glasgow nach London überfiel. Die Räuber erbeuteten 2,63 Millionen Pfund. Dies entspricht heute etwa 47 Millionen Euro. Die Beute aus diesem Coup ist bis heute unauffindbar.

 

  • August 1963: Überfall auf den Postzug
  • Januar 1964: Verurteilung zu 30 Jahren Haft
  • Juli 1965: Flucht aus dem Gefängnis
  • 1974: Flucht nach Brasilien
  • Mai 2001: Rückkehr nach Großbritannien und Haftantritt der übrigen 28 Jahre
  • 2002: Heirat mit Raimunda de Castro
  • Juli 2009: Ablehnung der gestellten Begnadigung
  • August 2009: Gnadengesuch stattgegeben

 

Verurteilung und Flucht

Nach dem Coup wurden 13 Räuber im Laufe der kommenden Monate gefasst. Der Posträuber wurde im Januar 1964 zu einer Haftstrafe von 30 Jahren verurteilt. Mit drei anderen Posträubern, die an dem Coup beteiligt waren, gelang Ronnie Biggs am 8. Juli 1965 die Flucht aus dem Gefängnis. Der Räuber floh mit seinen restlichen Familienmitgliedern in die Seinemetropole Paris. Dort bekam Ronnie Biggs gefälschte Ausweise, veränderte sein Aussehen und floh nach Australien, in die Nähe von Melbourne. 1974 flüchtete der Posträuber erneut ohne Familie ins brasilianische Rio de Janeiro. Im gleichen Jahr erwartete Raimunda de Castro ein Kind von Ronald Biggs. Aus diesem Grunde wurde das Auslieferungsgesuch durch die brasilianische Justiz abgelehnt. 

Marketingstrategien 

Durch den brasilianischen Status eines Gangsters war es dem Räuber nicht gestattet, einer legalen Arbeit nachzugehen. Seine Einnahmequelle beschränkte sich auf die Selbstvermarktung. Neben seinen Abbildungen auf Kaffeebechern und T-Shirts sowie Reklame für Alarmanlagen, war es möglich für ein entsprechendes Honorar mit dem Posträuber zu frühstücken. Musikalische Aktivitäten entstanden mit den Sex Pistols und den Toten Hosen. 

Rückkehr ins britische Königreich

Freiwillig kehrte Ronnie Biggs zusammen mit dem an dem Coup beteiligten Bruce Reynolds aus gesundheitlichen Gründen nach Großbritannien zurück. Damit endete im Alter von 71 Jahren eine Flucht nach 35 Jahren und 30 Jahren Aufenthalt in Brasilien am 7. Mai 2001. Unter Anteilnahme seines Sohnes Michael, heiratete der Räuber 2002 seine langjährige Lebensgefährtin und Mutter seines Sohnes, Raimunda de Castro im Gefängnis. 2005 wurden bei Biggs multi-resistente Erreger nach mehreren Schlaganfällen festgestellt. Außerdem hatte er Probleme bei der Nahrungsaufnahme und Artikulierung. Eine Begnadigung durch den damaligen Justizministers Jack Straw wurde 2009 zuerst abgelehnt. Wegen seinem schlechten gesundheitlichem Befinden wurde Biggs wenige Tage vor seinem Geburtstag, am 6. August 2009 amnestiert und verließ das Gefängnis als freier Mann. Ronnie Biggs, der nie Reue für seine Beteiligung an dem Coup gezeigt hat, starb im Alter von 84 Jahren am 18. Dezember 2013 in einem Pflegeheim in East Barnet, London.

 

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