Foto: Shutterstock.com

Umweltzertifikate erklärt - Darum geht's

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 14:27
Umweltzertifikate, auch Emissionsrechte genannt, sollen dazu dienen den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren.

Umweltzertifikate, auch Emissionsrechte genannt, sollen dazu dienen den Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren. So überzeugend die prinzipielle Idee auch ist, als so schwierig und wenig erfolgreich hat sich die Umsetzung bisher erwiesen.

Was sind Umweltzertifikate?

  • Im Allgemeinen wird Umwelt als freies Gut betrachtet, d. h. jeder kann sie nutzen und eben auch verschmutzen, ohne dafür zahlen zu müssen. Daher besteht kein kommerzieller Anreiz Umweltverschmutzung zu reduzieren oder zu vermeiden.
  • Umweltzertifikate sollen dies in Bezug auf Treibhausgase ändern. Ein Umweltzertifikat ist ein Emissions- oder Verschmutzungsrecht. Es erlaubt dem Inhaber eine Tonne Treibhausgas in die Umgebung freizusetzen.
  • Wer Treibhausgas freisetzen will, muss eine entsprechende Menge von Umweltzertifikaten besitzen.

Wie können Umweltzertifikate den Ausstoß von Treibhausgasen reduzieren?

Dies soll nach dem Prinzip „Cap and Trade“ funktionieren. „Cap“ bedeutet, dass eine Obergrenze für die Menge Treibhausgas festgesetzt wird, die in einem bestimmten Zeitraum emittiert werden darf. Entsprechend dieser Menge werden Zertifikate ausgestellt und an Unternehmen entweder kostenlos verteilt oder verkauft. „Trade“ heißt, dass an einer speziellen Börse mit diesen Zertifikaten gehandelt werden kann. Hat ein Unternehmen nicht genügend Umweltzertifikate muss es diese zukaufen. Andererseits, wenn ein Unternehmen in moderne Technik investiert und so seinen Ausstoß an Treibhausgasen reduziert, kann es die nicht mehr benötigten Emissionsrechte verkaufen. Die zulässige Obergrenze für Emissionen wird Jahr für Jahr heruntergesetzt und jedes Unternehmen kann selber entscheiden, ob es sinnvoller ist in modernere Technik oder in Emissionsrechte zu investieren. Durch diesen Mechanismus soll Treibhausgas dort reduziert werden, wo dies am günstigsten möglich ist.

Wie sieht die aktuelle Umsetzung aus?

In den USA ist der „Cap and Trade“-Mechanismus erfolgreich zur Reduzierung des SO2-Ausstoß angewandt worden. Die EU will ihn zur Reduzierung der CO2-Emissionen einsetzen. Hierzu hat sie für das Jahr 2013 eine Emissionsobergrenze von 2,04 Milliarden Tonnen CO2 festgesetzt. Diese Menge soll jährlich reduziert werden. Nach der Emissionshandelsrichtlinie, die im Oktober 2003 in Kraft trat, sind hiervon 11.000 europäische Energieversorgungsunternehmen und Industrieanlagen betroffen. Industrieunternehmen erhalten einen Teil der Zertifikate kostenlos, Energieversorger müssen sie ersteigern. Verwässert wird dieser Mechanismus in Deutschland durch zwei Ausnahmeregelungen.
Erstens können Unternehmen zusätzliche Zertifikate durch Umweltschutzmaßnahmen in anderen Ländern erzeugen. Zweitens erhalten handelsintensive Unternehmen, deren Kosten durch die Zertifikate 5% der Produktionskosten übersteigen, die Emissionsrechte fast vollständig kostenlos. Dies trifft auf ca. 95 % der Unternehmen zu. Zusätzlich hat die EU den Flugverkehr vorläufig vom Emissionshandel ausgenommen. Daher sind zur Zeit EU-weit zu viele Zertifikate vorhanden. Der Preis der Emissionsrechte ist aktuell auf unter 3 € gefallen. Nach Expertenmeinung wären 20 € notwendig, um einen wirksamen Einfluss zu erzielen. Aktuelle Informationen zum europäischen Emissionshandel gibt es stets hier.

Kommentare