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Was ist die Inversionswetterlage?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:36
Keine Wolken mehr?

Nimmt die Temperatur in der freien Atmosphäre mit der Höhe zu - eine solche Situation wird als Inversionswetterlage bezeichnet - so entstehen überhaupt keine Wolken mehr. Die Luftpakete erreichen das Kondensationsniveau überhaupt nicht, weil ihre Temperatur schon vorher unter die Temperatur der freien Atmosphäre absinkt und damit jeder weitere Auftrieb gestoppt wird.

In Mitteleuropa können Wolken eine Höhe von maximal etwa 10 Kilometer erreichen. Diese Grenzhöhe wird als Tropopause bezeichnet. Über ihr finden wir jahraus-jahrein eine viele Kilometer mächtige Inversion, die jegliche weitere Wolkenentwicklung unterbindet. Die Tropopause liegt also wie ein undurchlässiger Deckel auf der Wolken- und Wetterschicht unserer Atmosphäre.

Die Entstehung der Wolke Cumulonimbus incus

Quellungen, die bis zur Tropopause vordringen, werden dort jäh gestoppt. Man darf sich den Vorgang so ähnlich vorstellen, wie wenn man einen Wasserstrahl gegen ein festes Hindernis richtet. Das Wasser spritzt nach allen Seiten auseinander. Und ganz ähnlich ist es auch bei einer Wolkenentwicklung, die an die Tropopause stößt: Die aufquellenden Wolkenmassen werden seitlich auseinander gedrückt, so dass ein Gebilde ähnlich einem Pilz mit einm riesigen Hut entsteht. Meist ist der Hut nur auf einer Seite gut entwickelt und sieht dann von der anderen Seite gut entwickelt und sieht dann von der anderen Seite betrachtet eher wie ein Amboss aus. Diese Form hat der Wolke auch den Namen gegeben: Cumulonimbus incus.

Wolkenbildung

Sind Wolken durch Turbulenz entstanden, so gelten für ihre weitere Entwicklung die gleichen Gesetzmäßigkeiten: Je schneller die Temperatur in der freien Atmosphäre sinkt, desto mächtiger werden die Wolken und umgekehrt. Natürlich drängt sich jetzt die Frage auf: Wann sinkt denn die Temperatur der freien Atmosphäre schnell und wann sinkt sie langsam? Sehr stark vereinfacht kann man sagen: Im Einflussbereich von Tiefdruckgebieten sinkt sie schnell, im Einflussbereich von Hochdruckgebieten sinkt sie langsam oder steigt sogar. Damit lässt sich der fundamentale Grundsatz der Wetterkunde: "Tiefdruckwetter ist schlechtes Wetter mit vielen mächtigen Wolken; Hochdruckwetter ist schönes Wetter mit wenigen flachen oder gar keinen Wolken", zwanglos erklärt.

Wenn eine Inversionswetterlage die Ausbreitung einer Dampffahne in vertikaler Richtung unterbindet, dann stellt sich natürlich die Frage nach einer Ausbreitung in horizontaler Richtung. Hier liegen die Verhältnisse nun allerdings ganz anders: seitlich erfolgt nämlich eine sehr rasche Ausbreitung. Die von einer Emissionsquelle ausgehenden Luftbeimengungen breiten sich deshalb in Form eines waagerecht liegenden, flachen, sich strömungsabwärts immer weiter seitlich öffnenden Fächers aus. In der Umweltmeteorologie bezeichnet man Wasserdampf-Wolken aus naheliegenden Gründen als Fanning-Wolken. 

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