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Was ist eine Orangerie? - Eine Erklärung

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:17
Der Begriff Orangerie wird heute sowohl zur Bezeichnung eines Gebäudes verwendet, das der Über...

Der Begriff Orangerie wird heute sowohl zur Bezeichnung eines Gebäudes verwendet, das der Überwinterung von Zitrusbäumchen dient oder gedient hat, als auch als stilvolle Umschreibung eines Schauraumes.

Die "eigentliche" Orangerie

  • Ab dem 16. Jahrhundert kamen an den europäischen Fürstenhöfen Sammlungen von Orangen- und anderen Zitrusbäumen in Mode.
  • Ein solcher Baumbestand wurde sinnfällig Orangerie genannt, der Begriff galt also allein den Bäumen. Anfangs waren die Orangerien noch ortsgebunden, weil die Bäume im Boden wurzelten, mit der Einführung des Pflanzkübels jedoch wurden sie ortsveränderlich.
  • Der technische Durchbruch kam mit der Erfindung des Kübel-Transportwagens durch André Le Nôtre (1613-1700), dem Gärtner von Versailles.
  • Orangerien dienten sowohl Zier- und Repräsentationszwecken als auch der Befriedigung des steigenden Bedürfnisses der Fürstenhöfe nach exotischen und insbesondere Zitrusfrüchten.
  • Der Zitrusbaum eignete sich hervorragend als Repräsentationsobjekt, weil sich mit ihm zum einen mannigfache mythologische Verknüpfungen (etwa zum mythologischen Thema des Baumes im Hesperidengarten) herstellen ließen und weil er zum anderen weitgereist und daher sehr teuer war.
  • Die immergrünen, gleichzeitig Früchte und Blüten tragenden Zitrusbäumchen wurden wegen ihres Duftes und Symbolgehaltes (Symbol des ewigen Lebens, Herkulesikonographie) zu den beliebtesten Pflanzen in den architektonischen Gärten des Barock.
  • Es entwickelten sich drei klassische Arten der Aufstellung der Orangerie: das Karree, bei dem die Zitrusbäumchen in Rechtecksform gestellt wurden, die Kreis- und die Teatroform. Bei der letzteren, der elaboriertesten, wurden die Bäumchen im Halbkreis positioniert.
  • Damit die Pomeranzen im Winter nicht eingehen, bedürfen sie Dezallier d’Argenville zufolge Wintergärten, für nördliche Länder wie Holland, Schweden, aber auch England, empfiehlt er für die Sommermonate sogar Glashäuser.
  • Orangerien dienten also erst im untergeordnetem Maßstab Zier- und Repräsentationszwecken. Zunächst waren sie dazu da, die Zitrusbäumchen und andere frostempfindliche Pflanzen in den Wintermonaten unterzubringen.
  • Sie waren dort auf engem Raum zusammengedrängt (fr. "serrer"), woher sich auch der ursprüngliche Name für Orangerien ("Serre") ableitete.

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