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Wie schnell fallen Hagelkörner zur Erde?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:36
Je größer, desto schneller!

Bei Hagel handelt es sich um eine besondere Form des Niederschlags, der vor allem im Zusammenhang mit Unwettern auftritt. Komprimierte Eiskristalle, die einen Durchmesser von weniger als einem Millimeter haben, werden üblicherweise als Griesel bezeichnet. Erreichen die Eiskörnchen Größen zwischen einem und fünf Millimetern, werden sie Graupel genannt. Echter Hagel sind Eiskörnchen, die einen Durchmesser von mehr als fünf Millimetern Größe haben. In einige Regionen werden Hagelkörner Schloße genannt, was von der Farbe dieses Niederschlags abgeleitet ist. Ein Rekord bei der Größe wurde im amerikanischen Bundesstaat South Dakota im Jahr 2010 aufgestellt. Dort soll es Hagelkörner gegeben haben, die einen Durchmesser von rund zwanzig Zentimetern und ein Gewicht von beinahe 900 Gramm hatten.

 

Was beeinflusst die Fallgeschwindigkeit von Hagelkörnern?

Sowohl die Korngröße als auch das Korngewicht machen erheblichen Einfluss auf die Fallgeschwindigkeit von Hagelkörnern geltend. Je größer die Dichte eines Hagelkorns ist, desto höher ist auch die Fallgeschwindigkeit. Kleine Hagelkörner mit Durchmessern zwischen 0,5 und einem Zentimeter bringen es auf etwa 35 Kilometer pro Stunde. Die Fallgeschwindigkeit von Hagelkörnern mit einem Durchmesser von zwei Zentimetern beträgt bis zu 70 Kilometer pro Stunde. Große Hagelkörner mit einem Gewicht von mehreren Hundert Gramm können durchaus auch Fallgeschwindigkeiten von mehr als 150 Kilometern pro Stunde erreichen. Im Gegensatz zu den klassischen Schneekristallen, zu Griesel und Graupel wird die Fallgeschwindigkeit durch den Wind bei Hagel im Sinne der meteorologischen Definition nur wenig beeinflusst. Dafür sorgt die runde Form der Körner in Kombination mit dem Gewicht. Grundsätzlich gilt also: Je größer und kompakter ein Hagelkorn ist, desto höher ist seine Fallgeschwindigkeit. Ursache ist die auf Hagelkörner einwirkende Schwerkraft.

Das von Hagelkörnern ausgehende Schadenspotential

Bereits kleinere Hagelkörner können der Landwirtschaft erheblichen Schaden zufügen. Sie durchschlagen die Blätter der Nutzpflanzen, Durch die beschädigten Oberflächen ist keine optimale Fotosynthese mehr möglich und die Pflanzen wachsen nur noch langsam oder gehen im Extremfall sogar komplett ein. Hagelkörner mit einer Korngröße von zwei Zentimetern können Scheiben durchschlagen, Autos verbeulen und Hämatome auf ungeschützten Arealen des menschlichen Körpers verursachen. Größere Hagelkörner haben sogar das Potential, einen Menschen töten zu können. Die Versicherungen haben immense Lasten nach einem größeren Hagelschlag zu tragen. Allein im Jahr 1984 mussten die deutschen Versicherer 1,5 Milliarden Euro nach einem Hagelschlag in München auszahlen. Dabei sollte bedacht werden, dass Hagelschläge nicht nur unmittelbar durch die herunterfallenden Eisklumpen Schäden verursachen. Zerstören Hagelkörner im fließenden Verkehr zahlreiche Frontscheiben, kommt es häufig zu Massencrashs. 

Die mögliche Prävention gegen Hagelschäden

Ein wissenschaftlicher Ansatz, die Bildung großkörnigen Hagels bereits am Ort der Entstehung zu verhindern, sind die Wolkeninjektionen mit Silberiodid. Dabei wird die Anzahl der Kondensationskerne in den Wolken deutlich erhöht. Diese Technologie wird in Europa bisher nur punktuell getestet. In den USA haben die so genannten Hagelflieger inzwischen schon eine längere Tradition. 

 

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