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Aktuelle User-Abmahnungen bei Streaming-Diensten - Was ist passiert?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:33
User-Abmahnungen der Kanzlei U+C machten in den letzten Wochen von sich reden. Der Grund: Viele User sollen sich angeblich illegal Streaming Videos...

User-Abmahnungen der Kanzlei U+C machten in den letzten Wochen von sich reden. Der Grund: Viele User sollen sich angeblich illegal Streaming Videos angeschaut haben. Bei den Streaming Videos handelt es sich um pornografisches Material auf einer eigentlich legalen Videostreaming Plattform im Internet. Die Rede ist von Redtube. Die durch die Kanzlei angeschriebenen Kunden werden nun aufgefordert, aufgrund eines Verstoßes gegen gültiges Urheberrecht eine Abmahngebühr in Höhe von 250 Euro zu zahlen. „Der blanke Hohn“ wie viele Juristen und Spezialisten einschätzen. Doch was ist dran an den Abmahnungen und wie sollten sich betroffene User verhalten? 

Die Anwälte von U+C gelten als aggressiv 

  • Das letzte Mal gab es eine derartige Welle von User-Abmahnungen im Zusammenhang mit Filesharing und diversen P2P-Plattformen im Internet, mit Hilfe derer die User im Internet in der Lage waren, urheberrechtlich geschütztes Material nach freiem beliebigen zu kopieren und auszutauschen. Dass sich die aktuelle Rechtslage auch auf das Streaming von Videos anwenden lässt, wird jedoch von vielen Experten aus dem Bereich Internetrecht stark bezweifelt. Schon heute gilt es als nahezu sicher, dass wohl kaum ein User aufgrund der Nutzung des Streamingdienstes auf Redtube verklagt werden wird. Selbst im erst kürzlich bekannt gewordenen Fall von kino.to, bei dem es ganz offensichtlich um urheberrechtlich geschütztes Material handelte, ist kein einziger User aufgrund der Nutzung angeklagt und zu einer Strafe verurteilt worden. Lediglich der Betreiber der Seite wurde zur Rechenschaft gezogen.

Abmahnwellen enthalten rechtliche Hürden 

  • Viele Spezialisten empfehlen den Nutzern, die von den Abmahnungen betroffen sind, zunächst ruhig zu bleiben und abzuwarten. Auf keinen Fall aber bereitwillig zahlen. Die Abmahnungen der Kanzler U+C stehen vor nicht wenigen rechtlichen Hürden, die sehr wahrscheinlich einen jeden Richter dieser Welt davon abhalten werden, etwaige Nutzer, die sich auf der Plattform Videomaterial angeschaut haben, zu verklagen. 
  • Der wesentliche Grund, weshalb es sich um keine Urheberrechtsverletzung handeln dürfte, ist zum einen die Tatsache, dass der Hersteller der Videos letztere ja scheinbar selbst auf die Streaming Plattform hochgeladen hat und zum anderen, dass Redtube als keine offensichtlich illegale Quelle im Internet anzusehen ist. Viele User sind verunsichert, da das Landgericht Köln die Firma veranlasst hat, die Nutzungsdaten der User an die Kanzlei U+C herauszugeben. Was die Richter jedoch scheinbar übersehen haben: Es handelt sich um kein Filesharing, sondern um einen Streaming-Dienst. Anders ist die Reaktion des Landgerichtes nicht zu erklären. 

Wie sollen sich User, die eine Abmahnung erhalten haben, verhalten? 

  • Grundsätzlich gilt es, nicht in Panik zu verfallen. Die Kanzlei U+C betreibt psychologische Kriegsführung und versucht die Betroffenen unter Druck zu setzen. Dabei geht es der Kanzlei darum, die Kunden möglichst schnell zur Zahlung der 250 Euro zu bewegen. Wer kann, sollte einen E-Mail oder besser ein Fax an die Kanzlei richten, mit der Bitte um eine Fristverlängerung, da man selbst beabsichtige, einen Rechtsbeistand zu Rate zu ziehen. Sobald ein Präzedenzfall durch die Medien publik gemacht worden ist, dürfte sich die Zahl der bereitwilligen Zahler wohl schlagartig reduzieren und die Kanzlei mit ihren Abmahnungen „auf die Nase fallen“.

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