Foto: Shutterstock.com / Online-Wahlen: Fluch oder Segen?

Online-Wahlen in Zukunft denkbar? - Ein politischer Zukunftsausblick

Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 14:28
Pro und Contra von Online-Wahlen.

Jahrelang kämpften die Menschen für ein einheitliches und faires Wahlrecht. Erst nach der Novemberrevolution im Jahr 1918 wurde ein Wahlrecht eingeführt, wo Frauen und Männer die gleiche Stimme hatten. Ab 1933 war es mit der Wahlfreiheit wieder vorbei, denn durch die Nationalsozialisten wurden diese Möglichkeit wieder abgeschafft. Nach dem Dritten Reich glaubten die Menschen in der DDR, jetzt sind freie Wahlen wieder möglich. Leider hatten sich die Leute getäuscht und es wurde manipuliert, was das Zeug hergab. Erst nach der Wiedervereinigung konnte die Bevölkerung an bundesdeutschen Wahlen teilnehmen und ihre Stimme einer Partei geben. Diese Stimmabgabe erfolgt nach wie vor auf klassische Art und Weise. Doch sind in Zukunft vielleicht bald Online-Wahlen üblich?

Online-Wahlen: Pro und Contra

Im Laufe der Jahre hat sich das Internet enorm weiterentwickelt und einige Befürworter sehen in der kommenden Zeit die Online-Wahlen als neue Möglichkeit an, dass die Wähler auf diesem Weg ihre Stimme abgeben werden. Die üblichen Wahllokale würden entfallen und in einem bestimmten Zeitrahmen müssten die Wähler auf einem Internetformular ihr Kreuz setzen. Die Befürworter sind von dieser Idee der Online-Wahlen begeistert und möchten diese Art der Stimmenabgabe schnellstens ermöglichen.

Die Gegner halten dagegen, dass über das Internet Manipulationen möglich sein könnten. So könnten Hacker in das Netz eindringen und die Wahlzettel gemäß ihrer Vorstellung ändern. Auf diesem Weg würde eine Partei zu einem ungerechtfertigten Erfolg kommen.

Am 16. Oktober 2005 war es der Bevölkerung in Estland möglich, ihre Stimmen zum ersten Mal über ein I-Voting abzugeben. Jeder Wahlberechtigte erhielt eine Wahlkarte, wo seine persönliche Identifikationsnummer angegeben war. Mit diesen Daten wurde sich eingeloggt und die entsprechende Stimme abgegeben. Kritisch sahen die Experten den Punkt, dass nach der Stimmenabgabe der Zettel noch geändert werden konnte. Auch die Wahlbeteiligung war nicht so zufriedenstellend, wie es sich die Politik gewünscht hatte.

Ob und wann in Deutschland oder Österreich Online-Wahlen an der Tagesordnung sein werden, kann niemand vorhersagen. Zuerst müsste eine Änderung des Wahlrechts auf dem Weg gebracht werden und dieses bedarf einer großen Mehrheit der Parlamentarier im Bundestag. Es muss abgesichert sein, dass es keine Manipulationen geben kann und diese Angelegenheit wird ein großes technisches Problem werden. Außerdem muss über die Situation nachgedacht werden, was passiert mit den Wählern, welche über keinen Computer verfügen? Auch diesen Personen muss die Möglichkeit eingeräumt werden, an einer Wahl teilzunehmen.

Die größte Unsicherheit dürfte bei der Stimmenabgabe selbst auftreten. Trotz Identifikationsnummer könnte sich ein anderes Familienmitglied der Daten bemächtigen und seiner Partei die Stimme zukommen lassen. Eine weitere Variante ist, dass die gesamte Familie vor dem Computer hockt und die Stimmzettel gemeinsam ausfüllt. Jeder kann sehen, welche Partei gewählt wird und es könnten bestimmte Begehrlichkeiten geweckt werden. Es wird Einfluss auf andere Familienmitglieder genommen, um auf ihrem Stimmzettel das Kreuz an eine bestimmte Stelle zu setzen. In einem Wahllokal ist jede Person auf sich allein gestellt und in der Wahlkabine nicht durch andere Leute beeinflussbar. Niemand erfährt im Nachhinein, welcher Partei die eigene Stimme gegeben wurde.

Die Befürworter widerrum sehen in Online-Wahlen den Vorteil, dass am Ende der Stimmenabgabe die Prozente schneller vorliegen. Es entfällt die langwierige Hochrechnung, bis alle Stimmen in den einzelnen Wahllokalen ausgezählt wurden. Zum Schluss gibt es noch eine Überprüfung, bis das Ergebnis offiziell bekannt gegeben wird.

Ein weiterer wichtiger Faktor, welcher bei Online-Wahlen unbedingt berücksichtigt werden muss: es darf nicht die Möglichkeit gegeben sein, dass durch die Stimmenabgabe der Name des Wählers ermittelt werden kann. Es ist in jedem Fall die Einhaltung des Wahlgeheimnisses zu gewährleisten. Um dies zu gewährleisten, sind Wahlserver und Urnenserver so zu trennen, dass zwischen beiden Computern keine Verbindung besteht. Die Befürworter sind der Meinung, dass dieses technische Problem lösbar ist und die Gegner auf der anderen Seite bleiben skeptisch.
In einigen Betrieben oder Vereinen werden die Online-Wahlen schon seit mehreren Jahren durchgeführt. Doch bei einer Bundestagswahl geht es um eine ganz andere Dimension. Hier wird entschieden, welche Koalition an der Macht bleiben wird oder kommt. Dieser Ausgang der Wahl ist ein entscheidender Punkt, welcher politische Weg in den nächsten vier Jahren in Deutschland eingeschlagen wird. Es ist durchaus denkbar, dass die Partei, welche schlechte Werte bei dem Umfragen hat, am Rad etwas drehen möchte. Auch im heutigen Wahlverfahren setzen die Parteien alles daran, die unentschlossenen Wähler auf ihre Seite zu ziehen. Bei den angedachten Online-Wahlen bleiben für die meisten Bürger und einem großen Teil der Politiker zu viele Fragen bei der Anwendung und Sicherheit offen.

Kommentare