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Letztes Update am 18.12.2014, 10:31
Wie kommt der erste Eindruck zu Stande? Welche Faktoren haben Einfluss auf das, was wir über unsere Mitmenschen denken? Wieso urteilen wir teilweise vor schnell?

Unser Gehirn

Innerhalb einer Zehntelsekunde hat unser Gehirn bereits ein Urteil über den Unbekannten gefällt. Wie Studien zeigen, lässt sich dieser erste Eindruck kaum mehr ändern und ist zudem erstaunlich akkurat. Unser Gehirn verarbeitet alle bereits verfügbaren Informationen (Erfahrungen, Stereotype) blitzschnell über unbekannte Personen, ohne eine bewusst wahrgenommene Anstrengung. Zwei Dinge spielen diesbezüglich eine besonders große Rolle; wie sympathisch uns unser Gegenüber ist und die zweite Einschätzung zielt auf den sozialen Status des anderen ab.  

Positiv vs. Negativ

Prinzipiell gilt: Wenn wir noch keinerlei Informationen über eine Person besitzen, bewerten wir sie grundsätzlich erstmals positiv. Sobald jedoch nur eine negative Information vorliegt, zeichnet sich schon eine klare Negativtendenz ab. Der Grund dafür ist, dass ungewöhnliche auffällige und extreme Informationen leichter gemerkt werden und negative Informationen einen Gefahr für den Bewerter darstellen können. Ein negativer Eindruck ist viel schwerer wieder zu ändern als ein positiver.


 

Attraktivität

Eine große Rolle spielt hier natürlich auch die physikalische Erscheinung. Hierbei ist folgendes sehr spannend: Je attraktiver eine Person ist, desto positiver wird sie bewertet. So werden sie generell als strukturierter, fröhlicher und erfolgreicher eingeschätzt. Studien bewiesen, dass schöne Menschen in Gerichtsverfahren weniger streng behandelt werden und bei Abgaben einer schriftlichen Arbeit sogar besser bewertet werden. (Die zwei Punkte beziehen sich vor allem auf das weibliche Geschlecht.) Als besonders schön angesehen werden übrigens im allgemeinen nicht etwa besonders auffällige, sondern eher die typischen "Durchschnittsgesichter".

Experiment

Ein Experiment zeigt deutlich, dass die Wortwahl bei der Vorstellung einer Person ebenso den Eindruck erheblich beeinflussen kann. So wurde ein Gastreferent bei der einen Gruppe unter anderem mit dem Wort kühl und bei der anderen als warm beschrieben. Die Auswirkungen waren deutlich zu bemerken. Die Studenten der ersten Gruppe interagierten während des Vortrags kaum bis fast garnicht mit dem Professor und evaluierten ihn im Nachhinein mit den Worten unsozial, reizbar, kalt, humorlos und pessimistisch. Ganz anders bei der zweiten Versuchsgruppe: Obwohl es der identische Vortrag und Vortragende war, beteiligten sie sich viel mehr am Geschehen und beschrieben den Gastreferenten als verlässlich, ehrlich, tolerant und intelligent.

Stereotype

Wie oben bereits erwähnt, tendieren wir manchmal dazu, Menschen sehr schnell nach einfachen Regeln in eine Gruppe anhand Stereotypes zu kategorisieren. Stereotypes helfen Beziehungen mit anderen einzugehen und dienen als mentale Bilder der Interpretation der sozialen Welt. Sie werden bereits in der Kindheit gelernt und sind daher im Nachhinein schwer wieder zu ändern. Übrigens: oftmals sind Stereotype und Vorurteile besonders stark ausgeprägt bei Kindern, die eine sehr strenge Erziehung erfahren haben. Sie haben daraufhin oftmals eine ambivalente Beziehung zu ihren Eltern. Diese Gefühle der Angst bzw. teilweise sogar des Hasses werden unterdrückt und später auf Minderheiten übertragen.