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Letztes Update am 04.11.2014, 13:40
Hinter weit verbreiteten Ideen über Zucker verbergen sich oft lediglich zähe Gerüchte.

Er liefert Energie, macht glücklich oder doch eher müde und wer die Wahl hat, der greife doch anstelle von weißen besser zu braunen Würfelstücken. Kaum über ein anderes Genussmittel gibt es mehr und wildere Gerüchte als über den Zucker. Durchschnittlich 37,1 Kilogramm der feinen weißen Kristalle nimmt jeder Österreicher laut Statistikunternehmen Statista im Jahr zu sich. Dabei wird zu hoher Zuckerkonsum oft mit vermeintlich positiven Effekten gerechtfertigt, während wiederum oftmals zu falschen Behauptungen gegriffen wird, um den süßen Stoff zu verteufeln.

 

Energiequellen

Hartnäckig hält sich die Vorstellung, dass jeder Mensch pro Tag eine gewisse Menge Zucker zu sich nehmen sollte. Das ist so nicht richtig – denn ernährungstechnisch gesehen ist er kein Grundnahrungsmittel, sondern purer Luxus. Mit diesem Gedanken einher geht auch die Annahme, dass Zucker der beste Energielieferant sei. Diesen Titel hat sich aber schon das Fett eingeheimst – es liefert doppelt so viel Energie wie Zucker. Die beste und vor allem gesündeste Energiequelle ist und bleibt aber eine vitamin-, eiweiß- und ballaststoffreiche Kost. Wer gerne wandert oder anderen Ausdauersport betreibt, für den zählt eine Packung Traubenzucker meist genauso fix zur Ausrüstung, wie Wundpflaster und eine Trinkflasche.

 

Weil beim Verzehr von Traubenzucker aber Insulin ausgeschüttet wird, sinkt der zuvor rasant erhöhte Blutzuckerspiegel aber auch wieder besonders rasch ab. Das Ergebnis: Energie wird nur für einen kurzen Moment geliefert. Für einen Kraftkick zwischendurch sollte man besser zu Vollkornprodukten greifen. Häufig wird den süßen Kristallen auch unterstellt, dass sie dem Körper auf diebische Weise Kalzium und Vitamine entziehen würden. „Bis heute wurde der postulierte Vitamin oder Mineralstoffmangel trotz verbreiteten Zuckergenusses nicht beobachtet“, resümiert Tamás Nagy vom wissenschaftlichen Informationsdienst des Europäischen Institutes für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften. Richtig ist, dass der Körper beim Verarbeiten von Zucker Vitamin B1 benötigt – dem ist aber auch so, wenn er Kohlehydrate verwandelt.

Geglückte Camouflage

Gerne verweist der figurbewusste Mensch bei einer Tasse Tee darauf, dass brauner Zucker einfach viel gesünder sei als seine weiße Version. Tatsächlich ist es aber so, dass bei der Herstellung von weißem Zucker auch der braune Süßstoff entsteht – er ist sozusagen ein Zwischenprodukt des gewöhnlichen Zuckers und enthält zwar etwas mehr Sirupreste und Feuchtigkeit, nicht aber weniger ungesunde Inhaltsstoffe. Alternativ kann zu natürlichen Süßungsmitteln wie etwa Agavendicksaft oder Stevia gegriffen werden. Ein besonderer Stoff ist auch Birkenzucker: Weil er von Kariesbakterien nicht abgebaut werden kann und Plaque somit absolut keine Chance hat, wird er auch oft in Kaugummis verwendet.

Naschkatzen sollten sich in ihren Essgewohnheiten also nicht nach Volksweisheiten, sondern besser nach aktuellen Erkenntnissen der Ernährungswissenschaft richten. Auf diese Weise kann sogar das eine oder andere Light-Produkt überflüssig werden.

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