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Letztes Update am 30.10.2014, 14:27
Viele Menschen haben vor den rasanten Eroberungen des IS (Islamischer Staat) in Syrien und im Irak noch nichts von dieser Organisation gehört. Doch die weltweit als Terrororganisation eingestuften Dschihadisten kamen nicht aus heiterem Himmel. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 2003 zurück.

Irakkrieg als Auslöser

Unmittelbar nach dem Feldzug der USA gegen den Irak formierte sich Widerstand gegen die Besatzer. Waren am Anfang vor allem Amerikaner und Briten Ziele von Bombenanschlägen, wurden bald die schiitischen Machthaber zum erklärten Feind.

Unter Saddam herrschte lange Zeit die sunnitische Minderheit über die schiitische Mehrheit im Irak. Das Beseitigen der alten Machtstrukturen durch die Amerikaner und ihre Verbündeten führte zu einer Umkehr der Machtverhältnisse. In demokratischen Wahlen gingen schiitische Parteien als klare Sieger hervor, wodurch sich die Sunniten nun unterdrückt fühlten.

Abu Musad az-Zarqawi war der Anführer der Al-Kaida im Irak. Sie bekannte sich zu Osama bin Laden, entwickelte sich aber bald als eigenständige Organisation, aus der schließlich der IS hervor ging.

 

Ausdehnung nach Syrien und Offensive

Bis 2013 war der IS fast ausschließlich im Irak aktiv. Im Frühjahr 2013 begann sie, sich verstärkt in Syrien zu engagieren, wo die Al-Nusra Front bereits tätig war. Im Chaos des syrischen Bürgerkrieges gelang es den Dschihadisten immer öfter, dem Militär unter Assads Führung Niederlagen zuzufügen und dabei schweres Kriegsgerät zu erbeuten. Durch Spenden, Verkauf von Öl und kriminelle Aktivitäten konnte sich der IS weiter aufrüsten.

Im Juni 2014 startete der IS im Irak eine Blitzoffensive und eroberte in kürzester Zeit weite Teil des Nordirak. Die Welt war geschockt, zumal die Dschihadisten mit äußerster Brutalität gegen alle vorgingen, die sich ihrer radikalen Auslegung des Islam nicht unterwarfen. Das Ziel der Salafisten, einer ultrakonservativen Auslegung des Islam, ist ein Kalifat, das sich über das als Levante bezeichnete Gebiet ausdehnt.

Militärische Erfolge durch waffentechnische Überlegenheit

Die Streitkräfte des IS sind militärisch erfolgreich, weil sie über ein modernes Waffenarsenal, kampferprobte Terroristen und nicht zuletzt ehemalige Offiziere, die noch unter Saddam dienten, verfügen und außerdem laufend Verstärkung aus aller Welt aufnehmen. In Syrien und dem Irak gibt es keine gleichwertige militärische Macht.

Am ehesten haben noch die kurdischen Peschmerga Erfolge gegen den IS zu verzeichnen. Doch ihre Bewaffnung ist jenem der IS weit unterlegen. Als die USA mit Luftangriffen auf Truppen des IS begannen, konnte ihr Vormarsch im Irak allerdings teilweise gestoppt werden.

Inzwischen gibt es eine breite Allianz gegen den IS, die vom amerikanischen Präsidenten Barack Obama ins Leben gerufen wurde, welche sich aber vorerst nur auf Luftschläge beschränkt. Ein entscheidender Sieg gegen den IS scheint noch in weiter Ferne zu liegen.

Timeline

500px;"> 2003 Al-Kaida beginnt Widerstandskampf im Irak. 2005 Den Schiiten wird der Krieg erklärt. 2006 Mehrere Dschihadistengruppen schließen sich an. 2013 Der IS dehnt die Aktivitäten auf Syrien aus. 2014 Blitzoffensive im Irak.

 

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