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Warum gähnen wir?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:51
Föten gähnen bereits ab der 11. Woche im Mutterleib...

Ein Druck presst die Kiefer auseinander, die Augenlider kneifen sich zusammen, der Mund öffnet sich weit, die Lungen saugen sich mit frischer Luft voll - alles begleitet von einem herzhaften Seufzen - Gähnen ist unwiderstehlich, in jeder bekannten Kultur verbreitet, und sogar die meisten Tiere können gähnen. Föten gähnen bereits ab der 11. Woche im Mutterleib - dadurch trainieren sie ihre Lungenfunktion.

Erstaunlich: Den genauen Grund für dieses Phänomen kennen wir bis heute nicht. Die Chasmologie - so nennt man die Wissenschaft, die sich mit der Erforschung des Gähnens beschäftigt - hat hierzu jedoch verschiedene Theorien. 

Eine besagt, dass die einströmende Luft das Gehirn abkühlt und so dem Gähner hilft, sich besser zu konzentrieren.

Gähnen ist jedoch nicht nur ein ununterdrückbarer Reflex, sondern auch ansteckend. Warum?

  1. Aus sozialpsychologischer Sicht könnte gemeinsames Gähnen dazu dienen, eine Gruppe zu synchronisieren, ein Zusammengehörigkeitsgefühl zu wecken und gemeinsame Handlungsbereitschaft herzustellen. 
  2. Passenderweise lassen wir uns überwiegend anstecken, wenn Personen gähnen, die uns sympathisch sind. 
  3. Die sogenannten Spiegelneuronen, die dem Gehirn Imitationsverhalten und letztlich soziales Verhalten und auch Empathie ermöglichen, sind hierfür verantwortlich. 
  4. Dieser Effekt ist so stark, dass er sogar die Grenzen von Spezies überschreiten: So lassen sich sogar Hunde vom Gähnen ihrer Herrchen anstecken.
  5. Auch Stressabbau scheint eine Rolle zu spielen: Gähnen hilft, negative Emotionen zu verarbeiten. 
  6. Ein ähnliches Phänomen kann man in der Kommunikation von Hunden beobachten: Im Rudel dient das Gähnen als Beschwichtigungssignal. Unterlegene Hunde symbolisieren damit ihre Unterordnung und Friedfertigkeit. 
  7. Bei Affen scheint das Aufreißen des Maules eine Droh- und Dominanzgeste zu sein: durch das Präsentieren des Gebisses soll die Konkurrenz eingeschüchtert werden. 
  8. Passend dazu gähnen männliche Affen mehr als weibliche und Alphämännchen mehr als solche, die in der Rangordnung tiefer stehen.
  9. Bei Menschen ist das jedoch anders: Es gibt keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, was die Gähnhäufihkeit angeht.

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