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Die wirtschaftliche Geschichte der Stadt Wien

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:27
Die abwechslungsreiche Geschichte der Wiener Wirtschaft.

Wien ist mit seinen Fiakern, dem Burgtheater und dem Heurigen als Touristenstadt weltbekannt. Weniger bekannt ist wahrscheinlich, dass auch die Wirtschaft dieser Stadt eine abwechslungsreiche Geschichte hat.

Die Geschichte der Wirtschaft während der Donau-Monarchie

Vom 18. Jahrhundert bis zum Jahr 1918 war Wien die Residenz der Habsburger Monarchie und damit sowohl das gesellschaftliche als auch wirtschaftliche Zentrum Österreich-Ungarns. Im Stadtteil Gumpendorf hatte sich bis ca. 1900 eine bedeutende Seidenindustrie etabliert. Außerdem gab es eine florierende Metallindustrie. Der Schwerpunkt der Wirtschaft lag im 18. und ersten Drittel des 19. Jahrhunderts auf der Konsumgüterindustrie.

 

Allerdings forderte die Großmachtrolle Österreich-Ungarns ihren Tribut. Die Monarchie häufte ein so hohes Defizit an, dass es 1811 zum Staatsbankrott kam. Auch in den Folgejahren wurde das Land immer wieder von Währungskrisen erschüttert. Erst um 1870 gelang der Abbau des Staatsdefizits und die Stabilisierung der Wirtschaft. Dies hatte eine wirtschaftlichen Aufschwung zur Folge, der bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs anhielt.

 

Durch die Einführung der Dampfmaschine erlebte die Stadt zwischen 1830 und 1870 ihre erste industrielle Revolution. Hierdurch verschob sich auch der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit auf den gewerblich industriellen Sektor. Wien wurde führend in der Einführung neuer Produkte und Verfahren, wie z. B.:

  • dem Jaquard-Webstuhl
  • der Eisenbahntechnik
  • der Ziegelbrennerei
  • dem Auerschen Glühlicht
  • der Elektroindustrie
  • 1907 wurde die erste Würfeluhr aufgestellt. Dies war eine elektrisch betriebene Großuhr mit vier beleuchteten Zifferblättern, die auf einem Lichtmast angebracht war.
  • 1912 wurde der Flughafen Aspern eröffnet.
  • Interessantes und Kurioses aus verschiedenen Zeiten findet man hier.

 

Die Geschichte der Wirtschaft nach dem 1. Weltkrieg

Durch den Verlust des östlichen Teil des ehemaligen Staatsgebiets und der Errichtung hoher Zollschranken nach dem 1. Weltkrieg wurde die Stadt von einem Großteil seiner Märkte abgeschnitten. Die Wirtschaft stagnierte in der Zeit zwischen den Weltkriegen. Nach dem 1938 erfolgten Anschluss Österreichs an NS-Deutschland verlor die Stadt ihren Hauptstadt-Status. Durch eine Umlanderweiterung wurden 91 umliegende Gemeinden in das Stadtgebiet integriert. Erst nach Ende des 2. Weltkriegs kam es, ab ca. 1950, durch den Marshallplan wieder zu einem wirtschaftlichen Aufschwung. Die Stadt wurde zum Unternehmenssitz der meisten größeren Unternehmen Österreichs.

 

Mit der Wiener Börse entstand hier die einzige Wertpapierbörse des Landes. Seit 1979 ist die österreichische Hauptstadt die dritte Stadt, nach New York und Genf, in der die UNO einen ständigen Sitz hat. Auch verschiedene internationale Organisationen sind heute hier vertreten.

Durch die EU-Osterweiterung im Jahr 2004 wurde die Stadt wieder zum wirtschaftlichen Tor nach Osteuropa. Über 300 internationale Konzerne haben heute ihr Osteuropa-Büro hier. Seit 2010 ist die Stadt außerdem Sitz der CEE Stock Exchange Group.


Wichtige Wirtschaftsfaktoren sind heute der Tourismus, der 2012 einen Umsatz von ca. 540 Millionen Euro machte, und der Kongresstourismus. Hinter Singapur und Brüssel liegt Wien auf Platz drei der beliebtesten Kongress-Städte.

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