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Was versteht man unter Staatsverschuldung?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:49
Der Begriff Staatsverschuldung ist zurzeit in aller Munde.
Aber was ist eigentlich mit Staatsverschuldung gemeint und wieso ist das Thema im Moment so brisant?

Die Staatsverschuldung sind alle Schulden eines Staates. Um diese zu ermitteln werden alle Verbindlichkeiten des Staates gegenüber den Gläubigern zusammengefasst. Die Verschuldung wird in der Regel brutto betrachtet. Die Verbindlichkeiten Dritter gegenüber dem Staat werden hierzu somit nicht von den Staatsschulden abgezogen.

Es wird von externen und internen Schulden gesprochen. Bei internen Staatsschulden handelt es sich um Verbindlichkeiten in der eigenen Währung. Externe Schulden sind Verbindlichkeiten in fremder Währung.

Die Staatsverschuldung in Deutschland betrug 2010 etwa 2000 Milliarden Euro, dies entspricht circa 80% des Bruttoinlandproduktes Deutschlands. Da jedes Jahr etwa 300 Milliarden Euro an Schulden getilgt werden müssen und der Staat nicht über das Geld verfügt, nimmt er neue Schulden auf. In diesem Fall spricht man von Umschuldung.

  1. Auch im Ausland sind die Staatsschulden vergleichbar hoch. In Japan, Italien, Belgien und Spanien ist die Verschuldung zum Beispiel sogar höher. In den USA wächst die Verschuldung schneller als in Deutschland und hat bereits ein sehr hohes Niveau erreicht.
  2. Wenn die Gläubiger das Vertrauen verlieren und nicht mehr davon ausgehen, dass die Staaten Ihre Schulden zurückzahlen können, würden diese kaum noch Kredite gewähren.
  3. Dies würde dann dazu führen, dass verschiedene Staaten Ihre Schulden nicht mehr tilgen können oder wesentlich höhere Zinssätze in Kauf nehmen müssen. 
  4. Folgen sind Zahlungskürzungen und Zahlungsstockungen. Beschäftigte im öffentlichen Dienst, Rentner und Arbeitslose würden Ihr Geld verspätet bekommen oder würden Kürzungen in Kauf nehmen müssen.
  5. Wenn die Zentralbank zulässt, dass die Geldmenge wächst, indem Sie den Staaten neu ausgegebenes Geld leiht, dann kann es zur allseits gefürchteten Inflation kommen. Denn die im Umlauf befindliche Geldmenge würde erhöht, ohne dass es eine erhöhte Menge von Gütern auf dem Markt gäbe. 
  6. Um die Staatsschulden zu verringern bleiben dem Staat zwei Möglichkeiten. Zum einen kann dieser die Ausgaben senken oder die Einnahmen erhöhen. Bei dem bereits erreichten Schuldenstand müssen Staaten wohl beide Maßnahmen gleichzeitig berücksichtigen. 
  7. Oft wird es von der Politik versäumt, Jahre des Aufschwungs mit einer positiven Wirtschaftslage dazu zu nutzen, einen Überschuss zu erwirtschaften und Staatsschulden abzubauen. 
  8. Die Länder der europäischen Union dürfen maximal eine Neuverschuldung von 3% aufweisen. Maximal eine Gesamtverschuldung von 60% des Bruttoinlandproduktes sind zulässig. Allerdings werden diese Regeln von fast allen Ländern der europäischen Union immer wieder gebrochen.

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