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Sorgerecht für meinen Enkel - Was kann man als Verwandter tun?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:52
Streitigkeiten um das Sorgerecht eines Kindes sind meistens eine unschöne Sache.

„Die Freundin meines Sohnes hat das alleinige Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn und hat ihn in die Obhut des Jugendamtes gegeben. Er ist erst zwei Jahre alt und mein Sohn kann nichts machen, da er eine Haftstrafe verbüßt. Kann ich als Opa etwas tun?“ – so oder ähnlich fragen viele Menschen nach den Bedingungen, wenn es darum geht, die Sorge für einen Verwandten zu übernehmen. Um es vorwegzunehmen: Diese Situation ist haltlos verfahren. Deshalb schlage ich mögliche Optionen vor ohne Anspruch auf Erfolg um räume mit Falschinformationen auf.

Alleiniges Sorgerecht

  1. Hat die ein Elternteil das alleinige Sorgerecht, hat der Partner in aller Regel keinen Einfluss auf das Kind. 
  2. Das Kind hingegen hat Anspruch auf Umgang mit dem anderen Elternteil, hier dem Vater. Weil der sich gerade in Haft befindet, sollte man darüber genauestens nachdenken. Den eigenen Vater hinter Gitter zu sehen ist kein erbaulicher Anblick für ein Kind. 
  3. Insofern könnte er, auch ohne Gefängnisaufenthalt, eher nichts tun.


Das Kind befindet sich bereits in der Obhut des Jugendamtes

  1. Das Jugendamt darf man nicht mit einer offenen Betreuungsgruppe verwechseln, zu der man ein Kind bringt und wieder abholt nach Belieben. 
  2. Meist kommt es zu peinlichen Untersuchungen, selbst wenn die Mutter das Kind zurücknehmen möchte. 
  3. Das geschieht im Interesse des Kindes. Schließlich kann es nicht mal hier mal dort aufwachsen. Es braucht eine regelmäßige Betreuung durch eine feste Bezugsperson.


Was unternimmt das Jugendamt nun?

  1. Im Jugendamt ist man sich darüber im Klaren, dass ein Heimaufenthalt für jedes Kind die schlechteste Lösung darstellt. 
  2. Es wird versuchen, einen Vormund für das Kind zu finden. 
  3. Gelingt dies nicht, kann das Jugendamt die Vormundschaft selbst behalten, das Kind allerdings zu Pflegeeltern geben. An dieser Stelle kommt nun endlich Opa ins Spiel.


Pflegekinder haben ein Zuhause

  1. Eine Pflegefamilie darf aus der eigenen Familie stammten. Man spricht hier von Familienpflegschaft. 
  2. Anders, als wenn Fremde die Pflegschaft für ein Kind übernehmen, sind Geldleistungen, wie Pflegegeld im Falle der Familienpflegschaft nicht oder nur sehr schwer zu bekommen. 
  3. Ob das Jugendamt nun die Großeltern als fähig ansieht, sich verantwortungsvoll um ein Kind zu kümmern, bleibt fraglich. 
  4. Die Praxis zeigt, dass es sehr auf das Alter der Großeltern ankommt. Mit 70 Jahren sind die Chancen eher schlecht, mit 50 Jahren besser. 
  5. Auch das macht Sinn. Die Pflegschaft sollte möglichst dauernd bestehen und das Kind hat bis zur Beendigung seiner Ausbildung – auch mal mit über 20 Jahren, wenn es zum Beispiel studiert – Anspruch gegen seine Erziehenden. Dem muss man nicht nur finanziell gewachsen sein, sondern auch gesundheitlich!


Was kann Opa nun tun?

  1. Die eleganteste Lösung wäre es, mit der Mutter des Kindes eine einvernehmliche Einigung herbeizuführen. 
  2. Wird der Gesetzgeber – hier das Jugendamt – erst gar nicht auf den Plan gerufen und das Kind nicht anders auffällig wird manches einfach, was vorher unmöglich erschien. 
  3. Deshalb mein Rat: Versuche, mit der Mutter zu einer Lösung zu kommen, appelliere an ihren Mutterinstinkt, mache es ihr so leicht wie möglich und drohe nicht, verurteile nicht, schimpfe nicht! 
  4. Hier geht es um das Kind, nicht darum, alte noch offene Rechnungen zu begleichen.

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