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Wie bekämpft man Koliken bei seinem Baby?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:48
Der Grund durchwachter Nächte, gestresster Tage und unzähliger ratloser Momente.

Viele Eltern werden sich respektvoll an ihn zurückerinnern und frischgebackene Eltern ihn scheuen - den Grund durchwachter Nächte, gestresster Tage, unzähliger ratloser Momente und letzten Endes mit seinem Baby gemeinsam vergossener Tränen: die gefürchtete Dreimonats-Kolik. 

Eltern-Ratgeber und Säuglings-Literatur beschreiben die Ursache der Koliken oder Drei-Monats-Koliken mannigfaltig: es wird hier von verstärkten Darmbewegungen des Säuglingsdarmes, bis hin zu langsamen Darmbewegungen mangels entwickelter Darmtätigkeit und dadurch übermäßige Entwicklung von Darmgasen, geschrieben. Worin auch immer die Ursache liegen mag - fest steht, dass diese heftigen krampfartigen Schmerzen des Babys sowohl eine erhebliche Belastung für das Kind als auch für dessen Eltern darstellen.

  • Besonders beängstigend für die Eltern ist zumeist die Tatsache, dass man nicht hundertprozentig sicher ist, was dem Kind fehlt und warum es so heftig weint. 
  • Es existieren einige Faustregeln, um Drei-Monats-Koliken zu diagnostizieren: sie treten gewöhnlich etwa eine Stunde nach der Nahrungszufuhr auf (da zu diesem Zeitpunkt, die zuvor zugeführte Milch den Darm passiert) und das Kind legt eindeutige Bewegungsmuster – wie das krampfhafte Heranziehen der Beinchen und Krümmen des Körpers – an den Tag. 
  • Eine weitere belastende Komponente ist die Tageszeit, zu jener Kolik-Anfälle bevorzugt auftreten: abends und nachts. 
  • Glücklicherweise ist man diesen Bauchkrämpfen seines Schatzes nicht völlig hilflos ausgeliefert und es existieren einige Arznei-, Heil- und Hilfsmittel, um ihnen vehement zu Leibe zu rücken. Manche Methoden eignen sich, um Koliken mehr oder weniger vermeiden zu können und andere helfen dabei, ihnen entschieden den Kampf anzusagen.

  • Kirschkernkissen
  • Wärmflasche
  • Tragetuch
  • Kinderwagen
  • Diverse Anti-Blähungs-Medikation aus der Apotheke
  • Babydarmrohr
  • Vaseline
  • Diverse Bauch-Öle und –Salben
  • Fenchel-Teebeutel (noch effektiver in Kombination mit Kümmel und Anis)
  • Geduld und starke Nerven

Vermeidung oder Reduzieren von Blähungen vor ihrer Entstehung
Sowohl bei Still- als auch bei Flaschenkindern gibt es einige Punkte, die für die Eltern zu beachten sind, um Koliken bei ihrem Baby zu reduzieren oder gar zu vermeiden:

Stillkinder:

  • Die stillende Mutter soll blähende Speisen aus ihrem Speiseplan verbannen: z.B. Knoblauch, Zwiebel, alle Arten von Kohlgemüse, Erbsen, Nüsse, teilweise Obst (z.B. Äpfel sollen geschält zugeführt werden),...
  • Die Einnahme von Eisen und Vitaminpräparaten können Koliken beim Baby begünstigen und sollen in der Stillzeit vermieden werden. 
  • Einen positiven Effekt auf das Vermeiden/Reduzieren von Koliken beim Säugling, hat die Aufnahme der stillenden Mutter von Fencheltee (in Kombination mit Anis und Kümmel). Die Trinkmenge soll jedoch einen halben bis einen Liter nicht übersteigen, da ein Zuviel des Tees, zu einer neuerlichen Reizung des Darmes des kleinen Sprösslings führen kann. 


Flaschenkinder: 

  • Beim Füttern mit dem Fläschchen soll Schaumbildung vermieden und das Kind eventuell zwischendurch zum „Bäuerchen“ hochgenommen werden. 
  • Um die Milch langsamer zu verabreichen, was zu einem verminderten Schlucken von Luft führt, eignen sich tendenziell eher kleinere Saugeröffnungen. Das Baby soll sich indes nicht zu sehr beim Einsaugen der Milch anstrengen müssen. 
  • Es muss die für den Säugling am besten verträgliche Nahrung zugefüttert werden, das heißt, dass man - in Abstimmung mit dem Kinderarzt - verschiedene Nahrungen ausprobieren darf. Ein zu häufiges Wechseln der Säuglingsnahrung soll jedoch indessen vermieden werden, da dies zu Verdauungsproblemen, wie Verstopfung, beim Baby führen kann. 
  • Für Stillkinder, besonders jedoch für Flaschenkinder gilt, dass nach dem Füttern ein konsequentes „Bäuerchen“ gemacht werden muss. Manchmal sind auch mehrere „Bäuerchen“ notwendig, bis die Luftansammlung komplett entwichen ist. 


Maßnahmen gegen Blähungen nach ihrem Auftreten:

  1. Das erste Mittel der Wahl, im Kampf gegen Koliken, ist „Wärme“. Ob als Kirschkernkissen oder als Thermophor (Wärmflasche), Wärme wirkt entkrampfend und krampflösend und sorgt somit auch im Darmbereich für Erlösung. 
  2. Doch hier ist Vorsicht geboten: niemals darf das jeweilige Wärmekissen zu heiß oder zu lange wärmend in das Bettchen gelegt werden. Denn ein zu warmes Liegen der Babys, wird mit einem erhöhten Risiko für SIDS (plötzlicher Kindstod), welcher immer noch die häufigste Todesursache im Kleinkindesalter darstellt, in Verbindung gebracht. 
  3. Ein pflanzliches Heilmittel, das zu einer sehr schnellen Entlüftung und Entkrampfung des Darmes führt, sind Kümmelzäpfchen. Man kann sie bereits fertig kaufen oder nach einem Rezept des Kinderarztes herstellen lassen. Die Tageshöchstdosis sollte zumeist ein Zäpfchen nicht überschreiten. Zur Verabreichung in den Baby-Po, kann man sie anwärmen oder Vaseline hinzuziehen. 
  4. Tröpfchen, welche gegen Darmgas-Entwicklung helfen und nach Absprache mit dem Kinderarzt in der Apotheke bezogen werden können, sind zum Beispiel SAB Simplex Tropfen (maximal 7 Tropfen täglich), u.v. m. 
  5. Stillende Mütter könnten mit Tropfen-Gaben Schwierigkeiten haben. In dieser Situation kann mit einem Schnuller nachgeholfen werden: die Tröpfchen auf den Schnuller tropfen und dem Kind zu „Nuckeln“ geben. Doch Vorsicht: wenn sich bereits Zähnchen zeigen sollten (kann bei einigen Säuglingen auch schon nach Wochen der Fall sein), ist bei süßlich schmeckenden Tropfen, wegen der Bildung erster Karies, Vorsicht geboten.
  6. Ein Mittel, das sich sehr gut eignet, um restliche Luft durch den Mund entweichen zu lassen und bei bereits bestehenden Koliken zur Krampflösung führt, ist das Tragen des Babys im Tragetuch. Durch die aufrechte Lage des kleinen Erdenbürgers können weitere „Bäuerchen“ bei Bedarf entweichen. 
  7. Das Bäuchlein des Säuglings liegt am Bauch von Mama oder Papa auf und wird hierdurch mit etwa 36 Grad Wärme versorgt, was wiederum einen krampflösenden Effekt nach sich zieht. Die aufrechte, am Herzschlag des jeweiligen Elternteiles befindliche Lage, sorgt zudem für Beruhigung des aufgewühlten Babys. Manche Kinderärzte warnen jedoch, wegen der noch unstabilen Wirbelsäule, vor einem zu langen Tragen des Säuglings im Tragetuch. 
  8. Spaziergänge – ob im Tragetuch oder im Kinderwagen – an der frischen Luft sind grundsätzlich sehr nützlich, um gegen Koliken vorzugehen. Viele Eltern berichten, dass die Frischluftzufuhr ihrem Kind gut tut und im Kinderwagen die Kleinen durchgerüttelt werden, was förmlich ein „Herausschütteln“ etwaiger Gase aus dem Darm bewirkt.
  9. Um dem Baby zu helfen, seine Blähungen selbst „an die Luft zu setzen“, kann man sowohl mit den Beinchen Radfahren, als auch des Babys Beine sanft gegen den Körper drücken, um ihm so das Pressen für die Absonderung der Gase zu erleichtern. 
  10. Wenn mechanisch gegen die Darmgase vorgegangen werden soll, eignet sich eine Bauchmassage mit einem speziellen Baby-Bauch-Öl oder einer Windsalbe (aus entblähenden Ingredienzien bestehend), welche in kleinen Kreisen im Uhrzeigersinn um den Bauchnabel durchzuführen ist. 
  11. Dem geplagten Sprössling kann von Zeit zu Zeit etwas Fenchel-Tee mit einem Fläschchen verabreicht werden. Der Tee soll dafür nur maximal 2 Minuten ziehen, da der Geschmack für sonst zu intensiv und abstoßend sein kann. 
  12. Eine weitere mechanische Hilfe zur Luftentlastung, ist die Anwendung eines Baby-Darmrohres. Ein derartiger „Eingriff“ darf jedoch nur äußerst vorsichtig und behände durchgeführt werden. Ein Baby-Darmrohr ist in der Apotheke erhältlich und weist in etwa die Stärke eines Einmalkatheders für Erwachsene auf. Es wird, mit Vaseline versehen, ein bis zwei cm in den Darmausgang des Babys eingeführt, um so eine Entweichung der Luft zu bewirken.
  13. Um Blähungen aus dem Darm herauszuschütteln, kann man sich auch die Schleudertouren der Waschmaschine zunutze machen: das Kind wird (bei einem sanften Waschgang – niemals bei zu hohen Touren!) mit dem Gesäß, den Oberkörper haltend und das Köpfchen stützend, auf die Waschmaschine halb sitzend, halb liegend, niedergelegt. Manche Eltern berichten auch hierdurch von einer Beruhigung des Babys, da die Schleuderbewegungen der Waschmaschine dafür sorgen, dass die Gase aus dem Darm entweichen.
  14. Abschließend ist zu sagen, dass es kein Allheilmittel gegen Dreimonats-Koliken gibt. Es erfordert sehr viel Fein- und Fingerspitzengefühl, um das Patenrezept für sein Baby zu finden. So wie jeder menschliche Organismus völlig unterschiedlich auf Medikamente, Therapien und Heilmittel reagieren kann, verhält es sich auch beim Baby. 
  15. Was dem Kind gut tut müssen letzten Endes die Eltern selbst, in oftmals mühseliger Arbeit, herausfinden. Als grundsätzliche Faustregel gilt: Wenn sich beim Säugling Unwohlsein äußert, sollte man die jeweilige Methode lieber unterlassen. 
  16. Ein großer Trost für (mit)leidende Eltern, ist die Aussicht auf ein Ende dieser Kolik-Anfälle ihres kleinen Schatzes. Und: In vielen Fällen ist, bis das Geheimrezept für Babys Darm gefunden wurde, der Ausklang und Endpunkt der Drei-Monats-Kolik bereits erreicht.

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