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Wie sollte man sich bei einer Scheidung gegenüber einem Kind verhalten?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:44
Eine Scheidung ist immer eine schmerzliche Angelegenheit, vor allem aber für Kinder.
Für ein Kind ist es nur sehr schwer oder gar nicht vorstellbar, dass sich die Eltern 'nicht mehr lieb haben'. Viele Kinder befürchten, dass das auch mit ihnen so geschehen könnte, also Mama oder Papa sie plötzlich nicht mehr lieben. Manche beziehen die Trennung sogar auf sich, fühlen sich schuldig oder verantwortlich. Die Scheidung der Eltern, das neue Leben danach, wird für ein Kind vermutlich nie ganz ohne Probleme und Verletzungen ablaufen, doch können die Eltern dabei helfen, das Kind zu unterstützen.

  • Kinder sind sehr feinfühlig für Stimmungen und Zwischentöne. Streitende Eltern, unterdrückte oder offene Aggressionen oder gar Feindseligkeiten empfinden sie als große Bedrohung. Deshalb sollten die Eltern versuchen, Auseinandersetzungen möglichst vom Kind fernzuhalten.
  • Nötige Absprachen so planen, dass das Kind sie nicht mitbekommt - Abendstunden - neutraler Ort (Café, bei Freunden, Verwandten) - Telefon
  • Die Eltern sollten sich immer wieder bewusst machen, dass das Kind der ganzen Situation hilflos ausgesetzt ist. Pläne und Überlegungen, die den Verbleib oder den späteren Umgang mit den Kindern regeln sollen, sollten immer in Hinsicht auf das Wohl und die Bedürfnisse des Kindes besprochen werden und auf keinen Fall von den aktuellen Schwierigkeiten der Eltern bestimmt sein. 
  • Das erfordert große Disziplin und manchmal auch externe Hilfe.

  1. In Gesprächen immer wieder versuchen, die beste Lösung für das Kind zu finden
  2. Auch bei Auseinandersetzungen sich immer wieder bewusst machen, dass das Kind ein Recht auf beide Elternteile hat und nicht für die Situation verantwortlich ist. 
  3. Gefundene Möglichkeiten, Lösungsansätze, Vorschläge aufschreiben und bei weiteren Treffen als Gesprächsgrundlage benutzen
  4. Auch wenn man ein Kind möglichst aus den emotional aufgeladenen Auseinandersetzungen heraus halten sollte, ist es – je nach Alter des Kindes Dennoch wichtig es mit einzubeziehen. 
  5. Oft sind es ganz praktische Probleme, die ein Kind belasten: 'Wo schlafe ich, wenn der Papa eine neue Wohnung hat. Was passiert mit meinen Spielsachen, meinem Bett usw.'
  6. Häufige Gespräche helfen dem Kind, sich auf die veränderten Lebensumstände vorzubereiten und geben dem unsicher gewordenen Alltag ein Stück Normalität zurück
  7. Ein etwas älteres Kind kann mitgenommen werden, die neue Wohnung anschauen, überlegen, wo das zweite Kinderzimmer sein könnte 
  8. In diesem Prozess des 'was-wäre-wenn' ist es hilfreich auch mit Büchern oder Filmen zu unterstützen. Die Kinder können erleben, wie andere Kinder damit umgehen
  9. Auf gar keinen Fall sollten die Eltern der Versuchung unterliegen, das Kind über den anderen Elternteil auszufragen. Ein Kind sollte emotional nicht in die Situation gebracht werden, dass es glaubt, sich für ein Elternteil entscheiden zu müssen 
  10. Trotz aller Bemühungen wird Vieles nicht sofort funktionieren. Manche Prozesse werden auch nach der Trennung, vielleicht sogar Jahre brauchen, bis sie neu eingespielt sind. 
  11. Auch das Kind braucht viel Zeit und Geduld. Geschiedene Paare ohne Kinder brauchen sich nicht wieder zu begegnen, wenn sie das nicht möchten. 
  12. Eltern bleiben auch nach einer Scheidung Eltern und sollten im Interesse des Kindes nicht nachlassen in dem Bemühen, einen neuen, respektvollen Umgang miteinander zu finden.

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