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Was ist Ehegattensplitting? - Darum geht's

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:16
Ehegattensplitting - Wieso kann es sich eigentlich auch finanziell lohnen, verheiratet zu sein?

Das Prinzip des Ehegattensplittings ist ein beliebtes Streitthema zwischen den verschiedenen Parteien. Fakt ist, dass die Institution Ehe bei der Berechnung der Einkommenssteuer einen klaren finanziellen Vorteil gegenüber der individuellen Versteuerung von nicht verheirateten Lebenspartnern haben kann. Einige Parteien rechtfertigen die Bevorteilung dieses Steuermodells damit, dass hiermit die Ehe als Vormodell der Familie, auch vom Staat gebührend unterstützt wird. Andere Parteien hingegen argumentieren, dass das Ehegattensplitting ein Auslaufmodell aus konservativen Zeiten wäre. Sie kritisieren, dass es in der heutigen Zeit viele nicht verheiratete Paare gibt, die ein oder mehrere leibliche Kinder groß ziehen und nicht in den Genuss dieses Steuerprivilegs kommen. Das Gleiche gilt auch für Patchwork-Familien.  Es sei jedoch erwähnt, dass das Prinzip des Ehegattensplittings nicht davon abhängig ist, ob die Ehepartner eigene Kinder haben oder nicht. 

  • Je höher die Einkommensunterschiede zwischen den Ehepartnern sind, desto mehr können diese bei einer gemeinsamen Steuerveranlagung an Einkommenssteuer sparen.
  • Der Steuereffekt des Ehegattensplittings verhält sich lediglich neutral, wenn beide Partner exakt das gleiche Jahreseinkommen haben.

Ehegattensplitting erklärt

Die Berechnung der Einkommenssteuer

  • Um das Ehegattensplitting zu verstehen, ist es sinnvoll, erst einmal das Prinzip der individuellen Besteuerung verstanden zu  haben.
  • Dabei geht es um folgendes: Jeder Steuerzahler muss auf sein zu versteuerndes Einkommen einen bestimmten prozentualen Betrag als Einkommenssteuer an den Staat abführen.

 

Der vorgegebene Steuertarif ist in Deutschland progressiv gestaffelt!

  • In einfache Sprache übersetzt heißt das: je höher mein zu versteuerndes Einkommen ist, desto höher wird auch der Prozentsatz, der meine Einkommenssteuerzahlung festlegt. 

 

Das Prinzip des Ehegattensplittings in Kurzform erklärt:

  • Das Einkommen der beiden Ehepartner wird zusammengerechnet und durch zwei geteilt
  • Dann wird die Einkommenssteuer für den zuvor berechneten Einkommenshöhe ermittelt
  • Dieser Einkommenswert wird noch einmal verdoppelt und stellt die zu zahlende Einkommensteuer dar

 

Und so funktioniert es in der Praxis:

  • Zwei Verheiratete verdienen jeweils 60.000 Euro und 20.000 Euro, zusammen also 80.000 Euro.
  • Die Hälfte dieses Wertes beträgt 40.000 Euro und stellt das zu versteuernde Einkommen dar.
  • Anhand des zu versteuernden Einkommens wird eine Einkommensteuer in Höhe von 9.007 Euro errechnet
  • Die Höhe der Einkommenssteuer wird verdoppelt. Es ergibt sich also eine Einkommenssteuer in Höhe von 18.014 Euro


Wären die Ehepartner einzeln besteuert worden, hätten sich folgenden Zahlungen ergeben:

  • Einkommenssteuer für ein Einkommen von 60.000 Euro: 17.028 Euro
  • Einkommenssteuer für ein Einkommen von 20.000 Euro: 2.701 Euro
  • Höhe der Einkommenssteuer für beide Partner zusammen: 19.729 Euro

 

Dadurch ergibt sich ein Steuervorteil in Höhe von 1.715 Euro für das Ehepaar, das in den Genuss des Ehesplitting-Tarifs kommt. Oder anders gesagt: Diejenigen, die kein Ehegattensplitting in Anspruch nehmen können, müssen diesen Betrag mehr als Steuer an das Finanzamt abführen.

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