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Wie erobert MANN die Schwiegermutter?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:45
Meine Herren, ich glaube, Aufmerksamkeit ist tatsächlich der halbe Kampf.

Meine Mutter hatte einmal einen Schwiegersohn: meinen Ex-Gatten Hermann – und bis zum heutigen Tag werden ihre Augen glasig, wenn ich ihn auch nur erwähne. 

Hermann war meine größte Fehlentscheidung. Und die Befürchtung meiner Eltern, dass ich keine drei Jahre verheiratet bleiben würde, traf gnadenlos ein. 

Ich weiß bis heute nicht, wie ich mich auf Hermann habe einlassen können. Ja, er war zugegebenermaßen gutaussehend und hatte seinen eigenen, unangepassten Charme. Allerdings war er Opfer seiner grenzenlosen Selbstüberschätzung und phantasierte zeitlebens von seinem fulminanten Karriere-Durchbruch als Kunstmaler. 

Da der Maestro jedoch ausschließlich komponierte, wenn ihm der Sinn danach stand (und seine Werke allesamt unveröffentlicht hinter dem Sofa verschwinden ließ), kam erwartungsgemäß wenig beruflicher Fahrtwind auf - von wirtschaftlicher Stabilität rede ich erst gar nicht. Kurz und gut: Hermanns Realitätsferne und sein unzuverlässiger Beitrag zu unserer Haushalts-Kasse machten unserer Ehe ziemlich schnell den Garaus. 

Während ich meine Scheidung als notwendiges Ausweichmanöver vor der Privatinsolvenz empfand, war meine Mutter (die eigentlich heilfroh hätte sein können, dass ihre einzige Tochter nicht mit einem pinselnden Tagedieb unter der Brücke gelandet war) wirklich am Boden zerstört. „Wir können doch Freunde bleiben!“ schlug sie meinem Ex-Mann nach dem Urteilsspruch mit erstickter Stimme vor und Hermann nickte ergriffen.

Es kam, wie es kommen musste: meine Mutter und Hermann sind tatsächlich in Kontakt geblieben. So weiß ich aus erster Hand, dass der gute Mann noch heute erfolglos irgendwelche Leinwände maltraitiert und gegen Monatsende nur noch von Wasser und Brot leben müsste, wenn meine Mutter ihn nicht immer wieder mal mit großzügig konfektionierten Care-Paketen versorgen würde. 

Als ich sie neulich komplett entnervt fragte, ob sie sich eigentlich nicht vorkomme wie ein ausrangierter Rosinenbomber, da platzte es aus ihr heraus: „Hermann redet mit mir. Er fragt, wie es mir geht und er hört mir zu.“

Aha, DAS war es also. Hermann zeigte Interesse an meiner Mutter! Das war schon während unserer Ehe so gewesen. Ich erinnere mich an Abende, an denen ich mich irgendwann ausgelaugt ins Bett verzog, während Mann und Mutter sich noch stundenlang zuprosteten und über Gott und die Welt ratschten.

  1. Meine Herren, ich glaube, Aufmerksamkeit ist tatsächlich der halbe Kampf. Das beinhaltet nicht zwangsweise riesengroße Blumensträuße und überzogene Präsente. Es geht darum, zu verinnerlichen, WER genau die Schwiegermutter eigentlich ist. Statt sie im Vorfeld zu fürchten oder ihr mit Skepsis zu begegnen, ist die ratsamere Taktik, sich um ein echtes Kennenlernen zu bemühen.
  2. Sind Sie erst mit dem Wesen dieser besonderen Dame vertraut, können Sie sich in Gespräche einbringen und Ihrer Schwiegermutter DIE Ehre erweisen, die ihr zusteht. Immerhin verdanken Sie ihr im weitesten Sinne ihre Tochter.
  3. Auch hier ist allerdings das richtige Maß ein entscheidender Erfolgsfaktor. Bleiben Sie aufrichtig! Weder exzessives Speichel-Lecken noch die globale Selbstaufgabe zugunsten einer komplett übersteigerten Ehrerbietung machen Sie wirklich authentisch und sympathisch. 
  4. Das gleiche gilt für unangemessene Wissbegierde an Nichtigkeiten oder gar Lobhudeleien. Sie wirken Sie keinesfalls glaubhaft, wenn Sie ausladendes Interesse am orthopädischen Schuhwerk Ihrer Schwiegermutter bekunden oder gar ihren täglichen Medikamenten-Konsum kommentieren („ach FÜNFUNDDREIßIG Tabletten müssen Sie nehmen, wie SCHAFFEN Sie es nur, ALL die Formen und Farben auseinanderzuhalten?“). 
  5. Also, seien Sie ganz Sie selbst und geben Sie sich ein wenig Mühe, das Wesen Ihrer Schwiegermutter zu erfassen. Alles weitere entwickelt sich nach einem entsprechend positiven „ersten Eindruck“ in der Regel sehr wohlwollend - sogar dann, wenn Frau Schwiegermutter nicht den einfachsten Charakter hat. Ich sehe das an meiner eigenen Mutter: Sie mutiert zur schnurrenden Katze bei Hermann, während der Rest der Welt unter ihrer Schonungslosigkeit zu leiden hat.
  6. Und sollte Ihre Beziehung eines Tages tatsächlich in die Brüche gehen, was keiner hofft, dann haben Sie zumindest die Chance auf regelmäßige Feinkost-Zustellungen und das unter Umständen länger, als jeder normale Liebeskummer dauert. 
  7. Stellen Sie sich das vor: Sie haben‘s versaut und statt dem schwiegermütterlichen Tritt in den Hintern gibt‘s alle 14 Tage eingeschweißte Miniatur-Schweinshax‘n, Wachholderschinken, teuren Parmesan und andere Köstlichkeiten. 
  8. Wenn Sie HIER den „Return on Investment“ nicht erkennen, dann ist Ihnen nicht zu helfen.

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