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Wie fragt Mann nach dem Weg?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:45
Vielleicht hat die eine oder andere Leserin schon Erfahrungen als Beifahrerin machen dürfen?

„Wann ist ein Mann ein Mann?“ - das wollte schon Herbert Grönemeyer mit allem stimmlichen Nachdruck wissen. Und er hat sich selbst und uns allerhand Antworten gegeben in dieser amüsanten Hommage an das starke Geschlecht. 
So wissen wir spätestens seit diesem Hit, dass Männer unter anderem heimlich weinen, beizeiten einen Herzinfarkt kriegen und - „Allzeit bereit“ sind. 
Vielleicht haben wir diese „allzeitige Bereitschaft“ vorschnell auf die testosteronbedingte erotische Genuss-Sucht des Mannes reduziert. Aber da haben wir es uns entschieden zu leicht gemacht. „Allzeit bereit“ zu sein ist viel mehr . Es bedeutet, stets gerüstet zu sein für all die Eventualitäten und Unberechenbarkeiten, die das Leben mit sich bringt. So haben Männer auf jede Frage eine maßgeschneiderte Antwort, sind immer Herr der Lage und lösen jedes Problem. 
Männer wissen einfach, wo‘s lang geht. 

Nicht immer.

  • Vielleicht hat die eine oder andere Leserin schon Erfahrungen als Beifahrerin machen dürfen und kennt nachfolgend geschilderte Szene besser, als ihr lieb ist: Man befindet sich in einer fremden Stadt, sucht eine zentrale Sehenswürdigkeit, (die das Navigationssystem deshalb nicht ausspuckt, weil der männliche Fahrzeugführer die Dienste des elektronischen Routenplaners allerspätestens am Ortseingang als komplett überflüssig erachtet und selbstherrlich den Off-Button gedrückt hat) - und wird absolut nicht fündig. 
  • Die Option, sich beim nächsten halbwegs geistesgegenwärtig aussehenden Passanten nach dem Weg zu erkundigen, ist selbstverständlich indiskutabel. Besonders ironisch wird‘s, wenn sich die beschriebene Szene im eigenen Land abspielt, wo keinerlei Sprachbarriere die Mission simplen Nachfragens vereiteln würde.
  • So irrt man durch die Straßen (in und gegen die Fahrtrichtung) und verschwendet Zeit und Energie, um sich nach halben Ewigkeit einmal mehr am ursprünglichen Ausgangspunkt wiederzufinden - allerdings in zunehmend gereiztem Innenraumklima.
  • Was Frau zutiefst verärgert, entnervt und in völligem Unverständnis zurücklässt, ist gängige Männerpsychologie. Denn Männer fragen nicht. Niemals. Genauso wenig, wie sie Gebrauchsanweisungen lesen, da sie diese allesamt für zu Schrift gewordene, persönlich an sie adressierte Entmündigungs-Erklärungen des Entrepreneur halten. 
  • Um diesen kräftezehrenden, sinnlosen Konflikt rund um James Bonds Unantastbarkeit ein Ende zu machen, hier ein dringlicher Appell an alle Männer:

 

  1. Wenn Sie einen Weg nicht kennen, fragen Sie um Himmels Willen nach! Das Eingeständnis von Orts-Unkundigkeit führt NICHT unmittelbar in die Kastration. Und wenn Sie‘s selbst partout nicht tun wollen, dann überlassen Sie Ihrer Partnerin die Aufklärungsarbeit. 
  2. Der Informationsaustausch zwischen Ihrer Herzdame und einem X-beliebigen Fußgänger ist NICHT der Anfang einer neuen Liebesbeziehung - und für Sie KEIN Potenzverlust coram publico.
  3. Haben Sie auch auf anderen Lebenswegen den „Mut zur Lücke“ - Sie müssen nicht alles können und immer wissen, wie‘s weitergeht. Es fällt noch nicht einmal auf, wenn Sie statt Antworten auch mal FRAGEN haben.
  4. Üben Sie Schritt für Schritt ein, was es heißt, KEIN Besserwisser zu sein: fragen Sie Ihre Partnerin - nicht nur danach, wie ihr Tag war, sondern auch nach Themen, bei denen sie nachweislich und schmerzhafterweise besser bescheid weiß als Sie. Geben Sie ihr diese Plattform - und nehmen Sie sich und Ihr Ego hin und wieder ein wenig zurück.
  5. Und last but not least: Bevor Ihnen der neue DVD Rekorder um die Ohren fliegt und mit ihm ein fantastischer Filme-Abend zu zweit, geben Sie sich einen Ruck: Lesen Sie die Gebrauchsanweisung!

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