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Wie füllt Mann eine Spülmaschine?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:45
Seit über 30 Jahren ist sie das Statussymbol der Hausfrauenherzen - die Spülmaschine.

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht: ich finde, die Spülmaschine ist eine der zentralen Erleichterungen eines Haushaltes. Geduldig lässt sie sich beladen, nach jedem getanen Mahl und die Küche ist im Nu wieder in ansehnlicher Verfassung. Seit über 30 Jahren ist sie das Statussymbol der Hausfrauenherzen und verschafft zuverlässig ein kleines bisschen Mehr an Freizeit.

Dass diese gute Seele der Technik in so mancher Beziehung streitbares Objekt ist, ist unbegreiflich. Das mag am Konkurrenzprodukt „Spülbecken“ liegen, das für den Mann aus irgendeinem komplett unlogischen Grund nach wie vor Anlauf- und Abladestelle Nummer eins ist.

Erst gestern hatten mein Mann und ich wieder eine völlig überflüssige und enervierende Diskussion zur Thematik. Anlass: mein mir angetrauter Gatte räumt in Ermangelung an Handlungsalternativen - also als blanker Verlegenheit - den Esszimmertisch ab. Wir hatten Hähnchen mit mehr Sättigungsbeilagen, als der normale Organismus verkraftet. Das erzähle ich, um Ihnen eine Vorstellung vom angefallenen Geschirrvolumen zu geben.

Während ich das von mir abgetragene Porzellan flink unter laufendem Wasser vorsäubere, um im Anschluss unverzüglich die benachbarte Spülmaschine zu konfektionieren, balanciert Monsieur die verbleibenden Teller und Schüsseln in einer nicht gerade vertrauenserweckenden Trump-Tower-Anmutung in die Küche und bettet das wacklige Gebilde im Spülbecken zur letzten Ruhe.

Da steht nun der Koloss. Und Mann geht. Das ist ein Déjà Vu vom Ausmaß eines täglich grüßenden Mummeltiers. Ich kreische. Ob er mir sagen könne, was das solle, schreie ich. Ob er glaube, die natürliche Verrottung nehme sich irgendwann des Problems an. Oder ob das ein Mahnmal sei, ein riesiger, zerbrechlicher, erhobener Zeigefinger, der mich daran erinnern solle, was wohl ausschließlich MEINE Verpflichtung zu sein scheint.

Mann versteht kein Wort. Warum ich mich so anstelle, will er wissen. Und dass ich seinen Einsatz nie zu würdigen wisse, moniert er noch. Andere Männer würden so gut wie nie den Tisch abräumen, während er diese logistische Schwierigkeit meist aufforderungslos löst.

Damit hat er sogar recht. Schließlich ist das Abtragen von Geschirr das sanfte Ruhekissen seines Gewissens. Eine Art Kooperations-Alibi. 

Kurz und gut, ER- wie vermutlich viele seiner Geschlechtsgenossen - begreift einfach nicht, dass im Spülbecken befindliche Porzellan-Berge, die binnen kürzester Zeit dank undichtem Hahn in einer Brühe aus kaltem Wasser und Essensresten stehen, für die Lebensgefährtin letztendlich deutlich mehr Aufwand bedeuten, als wenn Mann gleich gar keinen Haushaltsbeitrag geleistet hätte. Vom Ekelfaktor reden wir gar nicht.

Also, meine Herren, muss das wirklich sein? Was um Himmels Willen ist Ihr Problem? Der Ablauf ist denkbar einfach: 

  1. Gebrauchtes Geschirr vernünftig geschlichtet in die Küche tragen.
  2. NEBEN dem Spülbecken auf der Arbeitsfläche zwischen-deponieren.
  3. Kurz die gröbsten Verschmutzungen unter fließend Wasser lösen.
  4. Spülmaschine öffnen, Ausziehschübe in Position bringen, Geschirr einsortieren. Fertig!
  5. Das müsste doch machbar sein. Die meisten von Ihnen haben ein technisches Hochschulstudium, ich bitte Sie, das kriegen Sie hin!
  6. Oder haben Sie etwa Angst? Fürchten Sie sich womöglich vor einem Küchengerät? Meine Herren, die Spülmaschine ist nicht Godzilla in harmloser Küchendekor-Tarnung. 
  7. Sie werden NICHT vom mahlenden Monsterzahnreihen in Stücke gerissen, sobald Sie die Ladeluke öffnen. Falls also Ihre konsequente Spülmaschinenvermeidung bisher in der Panik begründet lag, Sie könnten klein gehexelt im örtlichen Abwassersystem landen, kann ich Sie beruhigen. Alles, was passieren wird, ist, dass Ihre Partnerin eine Arbeitsersparnis von ein paar wertvollen Minuten hat.
  8. Und dass ein paar Minuten manchmal völlig ausreichen, um eine gute Zeit zu haben, müssten Sie doch am besten wissen.

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