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Wie gibt Mann Unwissenheit zu?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:46
Männer haben’s nicht leicht – oder sagen wir lieber: sie machen es sich selbst so richtig schwer.

Männer haben’s nicht leicht – oder sagen wir lieber: sie machen es sich teilweise selbst so richtig schwer. Was gemeinhin der Frau unterstellt wird, trifft bei genauerem Hinsehen in allererster Linie auf die Herren der Schöpfung zu.

So haben Frauen beispielsweise recht selten Berührungsängste mit ihrer eigenen Unkenntnis und scheuen sich nicht, letztere auch zuzugeben. Nicht so der Mann. Die puristische Antwort „Ich weiß es nicht“ will ihm so gar nicht über die Lippen gehen. Wie auch? Männer sind im Bilde. Immer. Nicht-Wissen führt zur Spontan-Entleerung des kompletten Testosteron-Reservoirs und macht aus dem Drachentöter einen bemitleidenswerten Eunuchen.

Ich brauche da gar nicht weit schauen. Mein Göttergatte bedient dieses Phänomen formvollendet. Ich bin jetzt 11 Jahre verheiratet und habe im Laufe unserer Ehe immer mal wieder die eine oder andere Frage an ihn gerichtet, die er nicht beantworten konnte. Das vollkommen unkritische Eingeständnis seiner Ahnungslosigkeit in Form eines simplen „ich weiß es nicht“ habe ich in diesem doch recht repräsentativen Zeitraum nicht ein einziges Mal zu hören bekommen. Stattdessen allerlei Drehen und Winden und völlig unbrauchbare Statements wie „normalerweise schon“ – alternativ „möglicherweise“. 

Meine zahlreichen Versuche, ihn zu mehr Präzision zu verpflichten, bringen wenig: er fühlt sich dann in die Enge getrieben und keift mir höchstens ein ungehaltenes „bin ich Jesus?!“ entgegen - und das nur, weil ich wissen will, ob Weißwürste nach 3 Tagen im Kühlschrank noch verzehrtauglich sind.

Was mein Mann wie viele andere Männer partout nicht kapiert, ist, dass Frauen mit ihren harmlosen Fragen nicht heimtückisch den Gesichtsverlust ihres Partners provozieren, sondern eine Wissenslücke haben, die sie vertrauensvoll an ihren Liebsten „durchreichen“ – und das ohne den diktatorischen Anspruch, dass Mann gefälligst die perfekte Antwort aus dem Ärmel zu zaubern hat.

  1. Also, meine Herren, sollten Ihnen Ihre Herzdame oder ein anderer Mensch auf diesem Globus demnächst eine Frage stellen, auf die Sie ad hoc keine Antwort haben, bleiben Sie locker.
  2. Greifen Sie unter Umständen die Fragestellung noch einmal auf, formulieren Sie sie um und zeigen Sie Interesse an der Thematik. Das signalisiert dem Fragenden, dass Sie sein Anliegen ernst nehmen.
  3. Nicht selten entstehen aus dem gemeinsamen Überlegen interessante und bereichernde Diskussionen – die sich nie ergeben würden, wenn der Befragte stets umwegslos antworten könnte.
  4. Tut sich also auch nach intensivem Nachdenken so gar keine Lösung zur gestellten Frage auf, sagen Sie schlicht und freundlich „ich weiß es leider nicht, aber ich erkundige mich gern.“ Diese Reaktion ist absolut souverän, erzeugt Sympathie und festigt das Vertrauensverhältnis. 
  5. Und der Fragende wird Sie NICHT für einen unfähigen Deppen halten, ganz im Gegenteil! Seien Sie also völlig sorglos und entspannt.
  6. Und für die Unverbesserlichen unten Ihnen: Weißwürste sollten nicht länger als einen Tag im Kühlschrank aufbewahrt werden. Und frisch sind sie am besten!

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