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Wie überlebt Mann ein Beziehungsende?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:45
Um‘s gleich vorwegzunehmen: Männer erwischt das Ende KALT.

Um‘s gleich vorwegzunehmen: Männer erwischt das Ende KALT. 

Als ich neulich Abend meine Freundin Anja anrufen wollte, meldete sich Udo. Das kommt so gut wie nie vor, denn Udo telefoniert ausschließlich, wenn es um finale Terminabstimmungen geht.
Gesprächsdauer: 5 Sekunden, Gesprächsinhalt: „Pokern um acht? Passt mir. Ciao.“ 

Ganz anders dieses Mal. Nach 3 Stunden weiß ich bescheid. Anja ist ausgezogen. Am Vorabend. Ohne jedes Vorzeichen. Udo weint. Und redet sich die Fassungslosigkeit vom Leib. Das „Aus“ habe ihm den Boden unter den Füßen weggezogen - nach 5 Jahren Beziehung und immerhin 4 Jahren in Haushaltsgemeinschaft (dass letzteres stark mit dem Bruch zu tun haben musste, war mir gleich klar).

Ich versprach, vorbeizuschauen. Was ich ein paar Tage später auch tat. Und als Udo mir die Türe öffnete, da konnte ich es sehen, das ganze Leid. Seine physische Konstitution - schlichtweg erbärmlich: verheulte Augen, ungekämmtes Haar, unrasiert, also hygienetechnisch alles in allem deutlich unter der Minimalanforderung. 
Ebenso die Wohnung - unübersehbare Anzeichen angehender Verwahrlosung. Überall leere, verschmutzte Kartonagen des Pizza-Bring-Service. Zeitungen über den Boden verstreut, halbvolle Bierflaschen. Und das Geschirr in der Küche: die Skyline einer Mega-City, nur weit weniger steril.

Ich startete durch, stellte alle möglichen Fragen - selbst erschüttert, dass Anja sich in Luft aufgelöst zu haben schien und sogar mir als Freundin keine brauchbare Andeutung gemacht hatte zu diesem „radikalen Ende". Hobbypsychologisch versuchte ich also, für mich und Udo die allumfassende Erklärung aufzutun. Ob er nach eigener Einschätzung lieblos gewesen sei, ob sie zu wenig miteinander geredet hätten, ob es Anzeichen weiblichen Unglücks gegeben habe, all das wollte ich wissen. Udos Konversationsbeitrag: Weinen, Kopfschütteln, Haare-Raufen - und weiterweinen.

Diese Szene ist kein Einzelfall. Männer haben scheinbar NIE etwas gewusst. Die vielen kleinen Hinweise „unterwegs“ haben sie irgendwie übersehen, überhört oder allesamt nicht ernst genommen. 
Und meine Herren, da frage ich Sie:
War da wirklich nie etwas, das den Schluss auf ein drohendes Ende zugelassen hätte? Denken Sie jetzt nicht nur in der Dimension „Seitensprung“ oder „Handgreiflichkeiten“. In den meisten Fällen sind es die kleinen Dinge, die der Beziehung irgendwann den Garaus machen.

Denken wir doch nur an die gängigsten Haushaltsdebatten - beispielsweise rund um die klassischen männlichen Kurzwaren, die jeden Tag zuverlässig VOR statt IM Wäschekorb zu Fall kommen. Oder an die hartnäckige Unfähigkeit, selbstständig einen Toilettenpapier-Halter nachzukonfektionieren. All diese Hinweise auf mangelndes Engagement mögen im Einzelnen banal sein, aber im Konglomerat zermürben sie langfristig die gutmütigste Partnerin.

Und dann noch das Kriegsgebiet „Geschenke“. Meine Herren, ganz ehrlich, das schönste Weihnachtsfest verliert radikal seinen Zauber, wenn Ihre Frau nach komplexer Auspackarbeit die HELLER Lötstation in Händen hält. Das Gerät mag ausgezeichnete Dienste tun, aber wenn Sie den Heiligen Abend nicht komplett an die Wand fahren wollen, dann setzen Sie besser nicht auf Werkstatt-Technik.

Ziehen wir das Zwischen-Resüme: Die geschilderten (und ungeschilderten) Nachlässigkeiten leiten früher oder später einen unaufhaltsamen Zersetzungsprozess ein.
Und irgendwann ist er da, der exakte Todeszeitpunkt Ihrer Beziehung. Und Mann weiß nicht, wie ihm geschieht.

Die dann folgende Trauerphase ist - wie könnte es anders sein - in allererster Linie geprägt von immensem Selbstmitleid und von erschütternd wenig Selbstkritik und Einsicht.
Dabei wäre der „Blick zurück“ so wesentlich. Schmerzhaft, aber notwendig. Meine Herren, tun Sie sich selbst den Gefallen. Lassen Sie Ihre Beziehung Revue passieren. Spüren Sie die eine oder andere Szene noch einmal nach, schauen Sie sich die vergangenen Jahre gründlich an. 
Bei genauem Hinsehen werden Sie unter Umständen einen Mann kennenlernen, der selbst IHNEN nicht gefällt. Und obwohl Sie natürlich nicht der allein Schuldige sind, wird Ihnen schnell klar werden, was Sie hätten besser machen können. 
Um diese Erkenntnis sollten Sie sich auf keinen Fall bringen - denn sie ist der erste Schritt in Ihre Heilung. Was ebenfalls essentiell ist, ist Selbstzuwendung. Sie brauchen jede Menge davon. Seien Sie behutsam mit sich und versuchen Sie auch, langsam wieder wie ein Mensch auszusehen - und wie einer zu WOHNEN. Das nennt man „Höflichkeit gegen sich selbst.“
Und nehmen Sie Gesprächsangebote an. Notfalls auch professionelle. Damit Sie irgendwann in Ihre Zukunft kommen.
So und nicht anders überlebt Mann ein Beziehungsende. 
Alternativ könnten Sie natürlich so lange (oder kurz) unbelehrbar Ihre Wunden lecken, bis die vollbrüstige Erlösung in Ihr Leben stöckelt. Sehr naheliegend, dass Sie das Ausleben nagelneuer Erotik mit echter Trauerbewältigung gleichsetzen. 
Noch naheliegender, dass dieser Liebestaumel nicht ewig währen wird. Wenn Sie nichts aus vergangenen Fehlern gelernt haben, wird auch die neue Dame ganz sicher nicht bei Ihnen bleiben. 
Außer, Sie löten oder nageln sie fest.

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