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Wie vermeidet Frau den Ehemann?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:45
Lassen Sie den ach so Missverstandenen unangetastet das sein, was er ist: der Ehemann einer anderen.

Ich erinnere mich noch genau an die größte innerfamiliäre Krise, die unsere erweiterte Verwandtschaft Anfang der 70er Jahre erschütterte: meine Cousine Monika hatte sich mit Oliver eingelassen. Und Oliver war verheiratet!
Was heute zwar noch immer halbwegs verwerflich ist, war seinerzeit ein Affront gegen die kleinbürgerliche Ordnung einer ganzen Nation. Und während der ehebrechende Familienvater erstaunlicherweise so gut wie keiner Verurteilung ausgesetzt war (wenn man seine rechtmäßig angetraute Gattin mal außer Betracht lässt), hatte ich als damals 9-jähriges Kind den Eindruck, meine Cousine stünde kurz vor der öffentlichen Hinrichtung. 
Was die Verwandtschaft aber beinahe noch fassungsloser machte, war die Reaktion von Tante Ilse, Monikas Mutter. Die Unantastbare, sonst nie verlegen um ein radikales Urteil gegen alles und jeden, was moralisch nicht niet- und nagelfest war, reagierte auf Monikas sündige Verbindung geradezu empörend liberal. Der Grund hierfür war rasch ermittelt. Cousine Monika hatte sich nicht irgendeinen fremdgehenden NOBODY angelacht, sondern immerhin einen Oberarzt der ortsansässigen Privatklinik. Das verlieh dem Verbrechen ein gewisses Niveau. Und Tante Ilse - von jeher krankhaft titelsüchtig - freute sich auf ihre Rolle als akademische Schwiegermutter.

Lassen Sie uns gemeinsam die Zeitreise machen in die Gegenwart. Wir schreiben das Jahr 2010. Tante Ilse ist dieses Frühjahr verstorben. Meine Cousine Monika ist 65 Jahre alt, der abtrünnige Doktor nach wie vor verheiratet. Mit ein und derselben Frau. Seine Kinder, die er im Laufe der Zeit von ursprünglich zwei auf vier aufgestockt hat, sind mittlerweile älter, als es Monika und Oliver zu Beginn ihres Verhältnisses waren. Das Stethoskop hängt am Nagel und aus dem Halbgott in Weiß ist ein absolut unspektakulärer Rentner geworden.

  • Was 1972 durch seine Anrüchigkeit noch einen gewissen Sensationscharakter hatte, ist heute vollständig zu einem traurigen Witz verkommen. Jeder schüttelt den Kopf über die gealterte Dauermätresse Monika und ihr komplett verschwendetes Leben, das immer auf ein Ereignis gerichtet war, das trotz vollmundiger Beteuerungen niemals kam: Herrn Doktors (Ent-)Scheidung.
  • Zu groß waren die Sachzwänge und der richtige Zeitpunkt für einen durchführbaren Ausstieg wollte und wollte sich nicht finden lassen. Und da Olivers Ehegattin das Spiel nie dumm genug wurde, ist diese unselige Ménage à trois bis heute aktiv.
  • Ganz repräsentativ ist der Fall nicht. In der Regel lernt die Geliebte doch etwas schneller. Nach einer gewissen Zeit als Untergrundbegleitung resümiert eine halbwegs geistig intakte Frau, dass sie feststeckt. Entscheidet sich ein Mann nämlich nicht relativ zügig zugunsten seines Verhältnisses, wird er es aller Voraussicht nach niemals tun. Und wenn die Hoffnung auf ein authentisches Happy End homöopathisch genug ist, beendet die eine oder andere Frau ihre sinnlose Verbindung. Mit mehr oder weniger starken Frakturen in der Herzgegend.
  • Nicht so Monika. Sie steht still. Seit über 30 Jahren. Ohne Rechte. Ohne Rechtmäßigkeit. Nichts von dem, was sie sich erträumt hatte, ist wahr geworden. Nach wie vor werden ihr Tage zugewiesen, an denen sie für ein paar Stunden halluzinieren darf vom Glück und davon, wie ihr Leben hätte verlaufen können. Das ist Monikas Leben - mit Lebenszielen, die längst hinter ihr liegen. 

 

  1. Warum erzähle ich das? Nun, meine Damen, man kann nie düster und schaurig genug skizzieren, wie das Leben einer Geliebten verlaufen und vor allem VERGEHEN wird. 
  2. Bis auf wenige Ausnahmen ist die Geschichte aussichtslos. Es mag wohl sein, dass der eine oder andere Ehemann zu Ihren „Gunsten“ entscheiden würde. 
  3. Aber glauben Sie mir: Sie WOLLEN keinen Mann, der die charakterliche Disposition hat, Frau und Kinder zu verlassen! 
  4. Sollten Sie also gerade im Begriff sein, sich in ein Paar verheiratete blaue Augen zu verlieben, ziehen Sie die Reißleine. Sofort. 
  5. Gehen Sie nicht mal den allerersten Schritt in diese Richtung. Rennen Sie weg, so schnell Sie können. Bevor Sie sich verstricken in Heimlichkeiten, Gewissensnöten, unsicheren Wartezeiten, falschen Hoffnungen, Depressionen und Verzweiflung. 
  6. Lassen Sie den ach so Missverstandenen, Trennungswütigen oder gar Scheidungswilligen unangetastet DAS sein, was er ist: der Ehemann einer anderen.
  7. Sonst sind Sie beim nächsten Blick in den Spiegel möglicherweise 35 Jahre älter.

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