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Wie wirbt Mann nach den Werbewochen?

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Letztes Update am 22.10.2014, 13:45
Als ich meinen Mann kennenlernte, glaubte ich wieder an die Ritterlichkeit...
Charmant hofierte er mich durch mein damaliges Leben. Er half mir formvollendet in den Mantel, ins Auto und auch wieder heraus. Im Lokal rückte er stets meinen Stuhl zurecht und eine Rechnung bekam ich in dieser Zeit niemals zu Gesicht. Dafür um so mehr Blumen. 

Ich hatte mich damals auf die Taktik der Unantastbaren festgelegt und mein Verhalten zeigte Wirkung: Mann warb. Aufs Intensivste und Phantasievollste. Irgendwann erhörte ich ihn. Erleichtert warf Lancelot seine Ritterrüstung in die Ecke. Und da liegt sie seither.

Von anderen Frauen höre und lese ich ähnliches. So gewinnt man den repräsentativen Eindruck, dass Männer sich nur so lange ausdauernd engagieren, bis sie die Dame ihres Herzens erobert - oder Neu-Deutsch „klargemacht“ - haben. Im Anschluss überführt man sich gegenseitig in eine mehr oder weniger verbindliche Liaison - und häppchenweise in den Alltag. 

Und hier beginnt dann die eigentliche Herausforderung. Während sich der anfängliche Gefühlsrausch nach und nach neutralisiert, drängen sich die Anforderungen und Verpflichtungen des Every-Day‘s-Life“ unnachgiebig ins vernebelte Bewusstsein zurück. Haushalt, Beruf und sonstige Aufgaben dominieren wieder den Tag und da gilt es, die Balance zu finden - sowohl zwischen Herzensangelegenheit und Pflichterfüllung als auch hinsichtlich eines fairen Task-Sharing innerhalb der Beziehung.

Soweit zur Theorie.
In der Praxis endet der Liebestaumel (insbesondere für den weiblichen Part) oftmals mit einem gezielten Fußtritt in die Ausnüchterungszelle. 

Der gurrende Galan mutiert - wie es scheint über Nacht - zum trägen, egozentrischen Nutznießer. Das ist selbstverständlich stark überzogen und die Ausnahme bestätigt auch hier die Regel. Aber lassen wir ein paar meiner Freundinnen zu Wort kommen, damit wir erkennen: ganz so von der Hand zu weisen ist dieser Negativ-Trend nicht.

Sigrid beispielsweise beschwert sich, dass ihr Ehemann in 15 Jahren Ehe 40 Kilo zugenommen hat und praktisch im Fernseh-Sessel wohnt. Support in Haushalts-Angelegenheiten: Fehlanzeige. 

Gabi (seit 5 Jahren mit Max liiert, allerdings getrennt wohnend) hat seit 4,5 Jahren noch nicht mal mehr ein Gänseblümchen geschenkt bekommen. Von Maxens exzessiver Ehrerbietung zu Beziehungsbeginn ist faktisch nichts übrig geblieben.

Hildes Mann Theo (der Hilde übrigens seinerzeit mit romantischen Kurztrips von sich überzeugen konnte) geht seit Jahren nur noch mit seinen Brüdern auf Motorrad-Tour. Reisen mit Hilde findet er zu vorhersehbar und vermeidet sie demnach so konsequent es eben geht.

Besonders bedauernswert ist Nina. Ihr Freund RUDE (ehemals schlicht Rudi) ist neuerdings Freizeit-Drummer in einer Death Metal Band und diese Leidenschaft konsumiert seine komplette Aufmerksamkeit. So hat er mit 48 Jahren nichts besseres zu tun, als sich jeden Samstag ab 17:00 Uhr "bühnenfertig" zu machen. Zu diesem Zweck bringt er sein Gesicht mit blutrünstig anmutenden Farbverläufen in den obligatorischen Schocker-Modus (fragen Sie nicht, wie Ninas sündhaft teure Lippenstifte aussehen) - und während Nina wochenendweise allein und traurig in der Wohnung hockt, rockt RUDE mit seinen Jungs die Hinterhöfe - und macht seinem selbstredend englisch ausgesprochenen Künstlernamen wahrlich alle Ehre.

Sigrid, Gabi, Hilde, Sina und auch ich haben uns mehr als einmal gefragt, ob DAS das Leben ist, das wir wollten. Ja, es gibt schlimmere Exemplare und unsere Männer haben allesamt einen guten Kern. Und jeder hat zumindest die Höflichkeit, sein eigenes Geld heimzubringen.

Aber zu einer gelingenden, freudvollen Partnerschaft gehört ein bisschen mehr als eine Festanstellung und ein Herz, das in seinen tiefsten Tiefen gut ist. Wir Frauen sind nicht immer in der Stimmung, das gesamte männliche Koronar-System nach Nettigkeit abzusuchen. Da ist „Offensichtlichkeit“ auf Dauer die bessere Strategie.

  1. Also, meine Herren, wenn Sie Ihre Partnerin (noch) lieben - und davon gehe ich der Einfachheit halber aus - dann zeigen Sie ihr das. Sie müssen nicht täglich den roten Teppich vor ihr ausrollen und den Boden küssen, auf dem sie geht. 
  2. Wir Frauen brauchen auch nicht dauernd den Himmel voller Geigen und überzogene Gesten und Komplimente, die ohnehin nur die Schlussfolgerung auf Ihr schlechtes Gewissen provozieren. 
  3. Aber bleiben Sie ein bisschen einfallsreich, meine Herren. Dazu genügt ab und an eine kleine Aufmerksamkeit, ein schöner Kinoabend oder ein gefühlvolles Wochenende.
  4. Was eigentlich noch viel wichtiger ist: wir Frauen brauchen das Interesse an unserer Person. Und dass unsere Männer wissen, wann wir Hilfe benötigen. Bei Entscheidungen, in problematischen Lebensphasen - und - last but not least - im Haushalt.
  5. Und wenn es Sie drängt, Ihrer Auserwählten hin und wieder einen überwältigenden Liebesbrief zu schreiben, es aber allein nicht hinkriegen: investieren Sie in einen Ghostwriter. Wir kennen die Besten!

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