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Nachbar wegen Ruhestörung klagen - Geht das?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:19
Es kann der Frömmste nicht in Ruhe leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.

Wer es schon erlebt hat, weiß: Es kann der Frömmste nicht in Ruhe leben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt. Konstante Lärmbelästigung geht unter die Haut und beeinträchtigt massiv die Lebensqualität. Nicht wenige Geschädigte kommen daher auf die Idee: Wir werden den Nachbar wegen Ruhestörung klagen! Grundsätzlich gilt allerdings: Zumindest gut überlegen sollte man sich den Schritt, den Nachbar wegen Ruhestörung klagen zu wollen, schon. Davor sollte man den einen oder anderen Punkt bereits unternommen haben. So empfiehlt es sich etwa dringen, sich als Mieter einer Wohnung zuvor an den Vermieter zu wenden. Dieser muss im Falle von lärmenden Anrainern Abhilfe schaffen. Geschieht nichts und der einzige Ausweg bleibt, den Nachbar wegen Ruhestörung klagen zu müssen, sind einige Punkte zu beachten.

Während der Nacht- und Mittagsruhe sollte man jedenfalls nach Möglichkeit nicht:

  • Staubsaugen
  • Wäsche waschen
  • den Geschirrspüler in Betrieb nehmen
  • Rasenmähen
  • Heimwerken
  • Klavier spielen oder laut Musik hören
  • Schnee schaufeln
  • hörbar Müll entsorgen
  • das Auto waschen oder den Motor laufen lassen.

Nachbar wegen Ruhestörung klagen

  • Auch wenn man subjektiv das Gefühl hat, um den Verstand gebracht zu werden – das alleine genügt nicht. Ob laute Musik inklusive dröhnenden Bässen, Fernsehen am Rande der Schallmauer oder Trampeln und Möbelrücken rund um die Uhr: Bevor man den Nachbar wegen Ruhestörung klagen kann, muss auch mit ihm oder dem jeweiligen Zuständigen Kontakt aufnehmen.
  • Wird auf nettes Bitten nicht reagiert, kann man die Polizei rufen. Denn man kann natürlich zivilrechtlich gegen Lärmemission vorgehen. Dafür zuständig ist das jeweilige Amtsgericht.
  • Es kann allerdings teuer und zeitaufwändig werden, den Nachbar wegen Ruhestörung klagen zu wollen. Also ist es eine Überlegung wert, erst den Vermieter mit Beschwerden zu überhäufen - bis er tätig wird.
  • Sehr nützlich ist im Vorfeld die Erstellung eines Lärmprotokolls über mindestens 14 Tage - dann hat man etwas konkretes in der Hand, wenn man den Schritt tatsächlich geht, den Nachbar wegen Ruhestörung zu klagen.
  • Viele Menschen würden wohl lieber ausziehen – aber das Recht ist auf ihrer Seite. Es geht hierbei konkret um eine Ordnungswidrigkeit gemäß § 117 des OWiG (Gesetz über Ordnungswidrigkeiten). Es sind Geldbußen bis zu 5.000 EUR möglich.
  • Im Grossen und Ganzen gilt schlicht die Faustregel: Die Freiheiten des Einzelnen enden stets dort, wo der Andere beeinträchtigt wird. Selbst jenseits der eigentlichen Ruhezeiten ist nicht alles erlaubt – Stichwort Zimmerlautstärke. Lärmintensive tätigkeiten gilt es zügig zu absolvieren – und möglichst selten durchzuführen.
  • Ob etwas überhaupt zu laut zu nennen ist, wird immer nach der sogenannten Ortsüblichkeit beurteilt, die nach einem objektiv messbarer Maßstab festzulegen ist.

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