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Was ist ein Passivhaus oder Öko-Haus?

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Letztes Update am 22.10.2014, 14:31
Niedrigenergiehaus, Passivhaus, energieautarkes Haus, Ökohaus – Schlagwörter, die nachhaltig klingen.

Niedrigenergiehaus, Passivhaus, energieautarkes Haus, Ökohaus – Schlagwörter, die nachhaltig klingen und das grüne Gewissen eines jeden Hausbauers in spe auf Trab bringen. Schließlich will sich heute keiner mehr vorwerfen lassen, einen großen ökologischen Fußabdruck zu hinterlassen. Unterscheidungen scheinen gefinkelt und undurchsichtig – einen Versuch sind sie trotzdem wert.

  • Das deutsche Passivhaus-Institut in Darmstadt hat diese Art von Haus folgendermaßen definiert: „Ein Passivhaus ist ein Gebäude, in welchem die thermische Behaglichkeit allein durch Nachheizen oder Nachkühlen des Frischluftvolumenstroms, der für ausreichende Luftqualität erforderlich ist, gewährleistet werden kann - ohne dazu zusätzlich Umluft zu verwenden."
  • Ökologisches Bauen tauchte als Begriff erstmals in den 60er Jahren auf. Auch als „grünes Bauen“ bezeichnet, deklariert es die Errichtung von Gebäuden unter Berücksichtigung der Wechselbeziehungen zwischen dem Menschen, seiner gebauten Umwelt und den Ökosystemen, mit dem Anspruch, künftigen Generationen eine lebenswerte und intakte Umwelt zu hinterlassen.
  • Die Qualität eines Passivhauses ist messbar:  Hierfür werden drei Kriterien herangezogen. Der Jahresheizwärmebedarf darf maximal 15 kWh pro Wohnquadratmeter und Jahr betragen. Das entspricht einem Energiebedarf im Raum von rund 1,5 Litern Heizöl. Eine weitere Anforderung: Die Behaglichkeit muss im Winter wie Sommer gegeben sein. Festzumachen ist das unter anderem am U-Wert von Fenstern. Er muss unter 0,8 W/(m²K) liegen. Die lichtundurchlässigen Außenbauteile müssen einen U-Wert von unter 0,15 W/(m²K) aufweisen. Außerdem tragen Außenluftöffnungen zur Behaglichkeit bei – jeder Wohnraum muss deshalb mindestens ein Fenster oder eine sonstige Öffnung haben, durch die die Luft in den Innenraum gelangen kann. Das Lüften der Wohnung muss möglich sein. Und die dritte Anforderung: Der Energieeinsatz für Heizung, Warmwasserbereitung und Haushaltsstrom darf nicht höher als 120 kWh pro Quadratmeter und Jahr betragen.
  • Die Möglichkeiten grün zu bauen, sind vielfältig. Sie beginnen dort, wo man sich bereits vor dem Bau Gedanken darüber macht, ob die Materialien in Zukunft wiederverwertbar sind. Ein Ökohaus hat mindestens eine Solaranlage auf dem Dach. Die Materialien, aus denen es gebaut wurde, sind idealerweise aus der Umgebung – das können Lehm oder Holz, Strohballen oder Natursteine sein. Die Fenster sind mehrfach verglast und aus lokalem bzw. regionalem Holz anstatt aus Kunststoff. Die Bewohner nutzen das so genannte Grauwasser, also das Abwasser aus Badewanne, Dusche und Waschmaschine, für die Toilettenspülung. Auch das Regenwasser, das man sammelt, kann dafür verwendet werden. Baut man zudem einen Filter ein, eignet es sich sogar zum Waschen der Wäsche. Sind irgendwo keine Fenster möglich, kann man mit Lichtleitsystemen aus Röhren und Spiegeln arbeiten, die das Licht an den jeweiligen Bestimmungsort umleiten.
  • Beide Bauweisen - Öko- und Passivhäuser - können die Gesundheit positiv beeinflussen. Das Passivhaus ist wegen seiner Komfortlüftung vor allem für Allergiker interessant, da die Pollen gegen den Filter keine Chance haben. Die Lüftung hat aber auch den Vorteil, dass die Luftfeuchtigkeit reguliert wird und dadurch Schimmel nicht entstehen kann. Außerdem wird Schadstoffen in der Luft oder Gerüchen rasch entgegengewirkt, weil die Anlage ständig für frische Luft sorgt. Das Ökohaus wiederum punktet durch den Einsatz natürlicher und geprüfter Baumaterialien.
  • Ein Ökohaus kann auch ein Passivhaus sein. Was zählt, ist das Gesamtkonzept. Damit ein Öko- auch ein Passivhaus wird, muss beispielsweise sichergestellt werden, dass das Haus so ausgerichtet ist, dass die bestmögliche aktive und passive Solarnutzung greifen kann. Auch ein sehr guter Sonnenschutz zur Vermeidung von Überhitzung im Sommer gehört dazu. Die Komfortlüftung ist typisch für das Passivhaus, ebenso wie die Wärmepumpe für die verbleibende Raumheizung und Warmwasserbereitung.
  • Am Immobilienmarkt lässt sich ein deutlicher Trend in Richtung  der Passiv- und Ökohäuser bemerken. Immer mehr Kunden suchen nach nachhaltigem Zuhause, in dem entsprechende Technologien wie hocheffiziente Anlagentechnik inkludiert sind und erneuerbare Energien genutzt werden.  Auch sogenannte Null-Energie-Häuser werden immer bekannter, die mehr Energie erzeugen als sie verbrauchen.  Nachhaltigkeit ist inzwischen ein wahrer Dauerbrenner der Immobilienwirtschaft.

 

Gastbeitrag von Frau Claudia Pichler, Spezialistin von Bank Austria Immobilien BAR.

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