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Letztes Update am 22.10.2014, 14:38
In der konventionellen Hühnerzucht hat sich das Hybridhuhn etabliert. Dieses soll als Masthybrid entweder sehr schnell Fleisch ansetzen, oder als Legehybrid besonders viele Eier produzieren. Hybridhühner wurden in der Zucht in vielerlei Hinsicht optimiert. So benötigen sie deutlich weniger Futter, als das klassische Rassehuhn, legen ein Maximum an Eier oder sind in kürzester Zeit schlachtreif.

Ein Lebewesen, welches zu rein ökonomischen Zwecken „verbessert“ wurde also. In der Massentierhaltung gibt es nur mehr Hybridhühner – traditionelle Rassen gibt es nur mehr in hobbymäßig betriebenen Haltungen sowie im Rahmen alternativer Haltungskonzepte. Bis jetzt klingt das alles recht vorteilhaft. Wenn diese Sache nicht mehrere gewaltige Haken hätte…

Berufskrankheit und Kannibalismus

Gesundheitliche Probleme der Tiere sind nicht zu übersehen. Durch Kalzium- und Bewegungsmangel leiden Legehühner häufig an Osteoporose. Die Eileiterentzündung gilt gar als „Berufskrankheit der Legehenne“. Bei Masthühnern kommt es neben Bewegungseinschränkungen nicht selten auch zu vollkommener Bewegungsunfähigkeit – vor allem gegen Ende der Mast.

 

Hybridhühner benötigen einen überdurchschnittlich hohen Eiweißanteil der Nahrung. Bekommen sie diesen nicht oder nur unzureichend, legen sie aggressives Verhalten an den Tag. Federpicken und gar Kannibalismus können die Folgeerscheinungen darstellen.Beides stellt eine deutliche Verhaltensstörung dar. Kannibalistische Hühner, deren natürlicher Picktrieb zu stark eingeschränkt wurde, zeigen sich fast schon blutrünstig und verfolgen gerne bereits angeschlagene Artgenossen, die dann in kürzester Zeit verenden.

 

Wirtschaftlich nutzloses Leben

Die in diesem Zusammenhang wohl am umstrittenste Praktik ist aber die millionenfache Tötung männlicher Küken. Da diese keine Eier legen handelt es sich hier um ökonomisch nur unzureichend zu verwertendes Leben. Die ausgebrüteten Hähne erblicken das Licht der Welt und werden schon kurze Zeit später durch Vergasung oder den Shredder eliminiert. Eine sinnvolle Alternative stellt das Zweinutzungshuhn dar, das in einem geschlossenen Kreislauf natürlich und artgerecht gehalten wird.

Das Zweinutzungshuhn als Problemlösung

Das Zweinutzungshuhn ist hybridfrei. Es liefert sowohl Eier als auch Fleisch. So können auch die Gockel aufgezogen und nach schonender Mästung verwertet werden. Dabei liefern sie übrigens besonders delikates Fleisch. Das Zweinutzungshuhn wird als Meilenstein in der Bio-Geflügelhaltung proklamiert. Charakteristisch ist, im Vergleich zum industriellen Zuchthuhn, die deutlich verringerte Maximalleistung.

 

Das Zweinutzungshuhn legt weniger Eier und benötigt länger, um Schlachtreife zu erreichen. Dafür genießt es deutlich mehr Lebensqualität und steht für qualitativ besonders hochwertige Endprodukte. Diese Rahmenbedingungen haben selbstverständlich auch ihren Preis – Eier und Fleisch vom Zweinutzungshuhn aus artgerechter Haltung sind teurer. Aber eben auch wertvoller.

Ein mögliches Erfolgskonzept

Projekte und Bestrebungen in Richtung Zweinutzungshuhn gibt es. Diese bringen große Anforderungen bezüglich Know-How in Zucht und Vermarktung mit sich. Ob es zu einer echten und breiten Etablierung des Zweinutzungshuhns kommt bleibt abzuwarten, finanzielle Interessen der großen Zuchtkonzerne bestimmen den Markt.

 

Diese produzieren Jahr für Jahr millionenfach Mast- und Legetiere. Doch nicht nur im Tierschutzbereich wächst das Interesse an alternativen, ökologischen Haltungsformen bei steigendem Tierwohl. Viele Konsumenten sind durchaus bereit, für bessere Qualität und „menschlichere“ Lebensbedingungen auch dementsprechend mehr zu investieren. Eine nachhaltige Veränderung eines ganzen Marktsegments ist also sicherlich nicht unmöglich.

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