Drucken
Letztes Update am 22.10.2014, 14:38
Bekanntlich legen nur weibliche Küken später einmal Eier. In der Produktion gelten ihre männlichen Artgenossen daher sozusagen als unrentable Lebewesen.

Die Konsequenz ist alarmierend und traurig zugleich: Alleine im Jahr 2013 wurden laut Auskunft des Tierschutzvereins „Vier Pfoten“ in Österreich rund 8,6 Millionen männliche Küken entsorgt. Ihnen wurde aus rein wirtschaftlichen Gründen das Leben genommen.

Praktiken in zweifelhaftem Licht

In Österreich ist die Tötung von Tieren „ohne vernünftigen Grund“ verboten. Dahingehend wird von den Brütereien immer wieder argumentiert, dass die Küken als Futtermittel für Zoos und Tierparks unbedingt benötigt werden würden. Es gäbe demnach also keine Alternative zur Tötung. Nach Ansicht der Geflügelbranche würde ohne diese Praktiken sofort ein Lieferengpass an Futtermittel entstehen.

 

Ein zweifelhaftes Licht auf solche Aussagen wirft allerdings eine aktuelle Radio-Reportage des Senders Ö1. Darin wird festgestellt, dass nur 50.000 bis 70.000, von den Millionen getöteten Küken, im Endeffekt als Futtermittel in den Zoos landen. Bekräftigt werden diese Zahlen vom alljährlich erscheinenden, kritischen Agrarbericht in Deutschland. Auch darin ist zu lesen, dass nur ein kleiner Teil der Tiere als Futter in Zoos landen. Die Mehrzahl der Küken wird zu Tiermehl verarbeitet oder schlicht und einfach verbrannt. Außerdem haben viele Zoos eine eigene Futterzucht, mit denen sie ihren Bedarf einigermaßen autark decken können.

Praxistaugliche Problemlösung gesucht

Wie kann man dieses Problem nun lösen? Es existieren mehrere Ansätze. Einer der interessantesten ist wohl die mögliche Geschlechtsbestimmung im bebrüteten Ei. Allerdings ist diese Lösung momentan noch kosten- sowie zeitintensiv und nur im Labor möglich. Eine Praxistauglichkeit scheint also bei weitem noch nicht gegeben zu sein, Bestrebungen diese Technik zukünftig einzusetzen gibt es aber dennoch in vielen Ländern.

 

Bereits erprobt ist hingegen das Alternativkonzept des „Zweinutzungshuhn“. Während Geflügel in der Zucht üblicherweise entweder für die Fleisch- oder die Eiergewinnung optimiert wird, kann das Zweinutzungshuhn für beide Zuchtziele eingesetzt werden. In Kauf genommen werden geringere Anzahl und verminderte Größe der Eier. Dafür kann eine Rückbesinnung zur Doppelnutzung des Huhns bei artgerechter Haltung ein sinnvoller Beitrag zum Tierschutz und zur Unterbindung von Küken-Tötungen werden.

 

„Vier Pfoten“ fordert eine Ausstattung des Zweinutzungshuhns mit Bundesforschungsmitteln, wie es bereits bei der Geschlechterbestimmung der Fall ist. Des Weiteren ist mehr Druck aus der Politik notwendig, um dem Kükentöten ein Ende zu setzen. Gefordert sind natürlich auch der Lebensmittelhandel und besonders die Endverbraucher.

Kommentare